Kurzgeschichte der Woche

Carnozet du Diable in Anges

Sehr preiswert und von ausgesuchtester Qualität speist der Gast im Dorf Anges. Das Carnozet du Diable, im zweiten Untergeschoss eines mittelalterlichen Fachwerk-Gebäudes gelegen, in das man über eine steile, ausgetretene, stellenweise mit Geländerseilen gesicherte Treppe gelangt, hat seinen ganz besonderen Charme. Die Dorfsage geht davon aus, dass hier in von uns aus betrachteten finsteren Zeiten einst Engel mit Teufeln in bestem Einvernehmen speisten, verbunden einzig durch kulinarische Bande, welche von einem Zwerg mit einem einzigen Flügel (den anderen soll er in einer wilden Dezember- Sturmnacht unter ungeklärten Verhältnissen verloren haben) und einem Mittelhorn, das ihm aus der Stirne wuchs, zelebriert worden sein soll.

Bei diesen kulinarischen Stelldicheins zwischen Himmel und Hölle sollen jeweilen, so die überlieferte, wohl durch die Zeit ausgeschmückte Geschichte, Gebietsabgrenzungen vorgenommen worden sein, die jedoch des vorzüglichen Weingenusses wegen – die exzellenten Raritäten-Tropfen fanden beiderseits regen Zuspruch – oft doppelbödig sich ergaben, so dass Übergrenzungen sich bis zum heutigen Tag erhalten haben, sehr zum Wohle der Parteien, die der edlen Tropfen wegen bis zum heutigen Tage, und wohl noch lange in die Zukunft, diese oben beschriebenen Zustände weiterzuführen im Stande sind. In der einfachen Ausstattung des Lokals – runde grobgehobelte Holztische mit Klumpfüssen und eher zerbrechlich wirkenden Hockern, bunt bemalt mit Flügelmotiven – liegt bereits viel Reiz, der jedoch beim Genuss der Hausspezialität – übrigens des einzigen angebotenen Gerichts, dessen Beschreibung die zehnseitige Speisekarte ausfüllt – weit, ja meilen- wenn nicht lichtjahreweit übertroffen wird.

Die Teufelssuppe, scharf und pikant, mit reichlicher Engelhaar- Einlage (hausgemachtes Engelshaar, wie auf der Erläuterung explizit erklärt wird) eröffnet Gaumen-Dimensionen der vierten Art, mit Wechselwirkungen, die bald kühle, erfrischende, wohl auch erschreckende Schauer den Rücken hinuntersenden, bald wohlig warme Herzblutstösse durch die Adern kreisen lassen. Nach Verzehr des Himmel + Höllen-Gerichtes überrascht der Wirt den Gast, indem er konsequent und insistierlich jede Begleichung der Zeche in bar oder mittels sonst allgemein anerkannten Zahlungskarten ablehnt, den Gast jedoch als Gast entlässt, ihn zur Tür begleitet, auf der in winzig kleinen Lettern steht: „Only soulcard accepted, thanks!“




Dreisatzroman der Woche

X

X entsprang dem Bildschirm heute früh, sprang mich an, mit seinen gespreizten Beinchen einfach voll voran...!

Verbiss sich in das linke Ohr von mir, einfach so, mir nichts dir...!

"Bin das X für U", flüstert er mir nun ständig zu!¨


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"Carnozet du Diable" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:


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