Kurzgeschichte der Woche

Die Ameisen des Kopernikuss

“So ein Humbug! Kopernikus hatte nie mit Ameisen zu tun. Sich mit diesen nicht auseinandergesetzt. Er war Astronom. Verbreiten Sie nicht falsches Wissen! Fake-News. Bewahre. Wenn dieser große Gelehrte nicht herausgefunden hätte, dass die Erde und die Planeten sich ellipsenförmig um die Sonne bewegen, lebten wir noch jetzt im Mittelalter. Die Erde dann eine Scheibe von der wir herunterfallen könnten, gerieten wir an deren Rand.” Diese Worte schleudere ich im Seminar für angewandte Zukunftsforschung dem Dozenten Prof. Dr. Dr.hc. Weiter an den Kopf. Nicht ohne diese zuvor mit Pfeffer bestreut, mit Cayenne-Mus bestrichen zu haben. “Ich bedaure, dass es keinen Index mehr gibt. Zu engstirnig ist unsere Welt heute. Wer wollte schon die Verantwortung über Wahrheitsgehalte übernehmen. Wichtiger ist jedem sein Gehalt!,” fahre ich in der Zwischenzeit zu Höchstform aufgelaufen, fort. Sehe wie meiner Mitstudenten Augensterne meinen Lippen bewundernd folgen. Ich rege mich selten auf. Aber diese hornochsige These meines Doktorvaters, dem Nobelpreisträger, der sich durch waghalsige Thesen und abstrusen Behauptungen seinen Ruf aus losen Brettern die sich vor den Köpfen aller seiner Bekämpfer befinden, so behauptet er, gezimmert hat, ist das Letzte des Letzten was mir je untergekommen ist. Da sind selbst Jules Vernes Geschichten, oder Grimms Märchen Tausend Mal stichhaltiger, würden den Lügendetektor, im Vergleich zu des Professors These, nicht im Geringsten zum Erröten bringen, obwohl ein solcher Detektor das selbst nicht einmal im Traum zustande bringt.

Weiter behauptet schlichtweg, dass der Mensch von der Ameise abstamme. Sie unser Vorfahre sei. Stützt seine Behauptung mit dem Vergleich der Eigenschaften dieser beiden Spezies. Aggression. Soldatentum. Fleiß. Sklavenhaltung. Fresswut. Schleppertum. Nestbau. Herdenhaltung von Nutztieren. Soziales Verhalten. Um nur wenige zu nennen denen Professor Weiter ganze Lehrbücher gewidmet hat. „Er arbeite“, berichtete er mir, „in der Gegenwart an seinem neuesten Lehrbuch über die Verwandtschaft des menschlichen und des Ameisenhirns. Beide seien dem Verhältnis Gewicht zu Hirnmasse ungefähr ebenbürtig. Das erkenne jeder auch genau jetzt an der so vehementen Bekämpfung seiner These. Denn wie Kopernikus werde er verstoßen. Verlacht. Als Verrückter eingestuft obwohl, seine These und die Beweise unumstößlich seien. Denn welche Art auf diesem Globus sei in der Lage alles zu unternehmen Mittel zu schaffen sich selbst zu zerstören. Alles zu leugnen was dazu beitragen könne solches zu bekämpfen. Umweltzerstörung, ob mit kriegerischen oder friedlichen Mitteln zu betreiben, im Wissen, dass dies das Ende der Art bedeute.

Den heimischen Planeten auszubeuten, auszunehmen wie einen gefangenen Fisch. Dieser Erkenntnis Alles und Jedes entgegenzusetzen, nur um nicht auf die Bequemlichkeit verzichten zu müssen.“ Wie, so frage ich den geneigten Leser, die geneigte Leserin, kann jemand solchen Unsinn behaupten. Früher bezeichnete die Allgemeinheit solche extremen Ansichten die ein Mensch von sich gab als nicht nur absurd, sondern der Verursacher als vom Affen gebissen, von dem, das ist die wissenschaftliche Erkenntnis, wir zu hundert Prozent abstammen. Ich behaupte nun und werde es beweisen Prof. Weiter sei von Kopernikusses Ameise geküsst worden. So wahr mir mein Affe helfe ...




Dreisatzroman der Woche

K N O S P E

Eine kleine Rosenknospe zerrte an ihrem Stachelzweig, wollte sein endlich frei, löste sich mit einem Ruck vom Stamm, breitete aus ihre virtuellen Schwingen, den Vögeln abgeschaut und hob sich hoch über ihren Busch in das blaue, von der Morgensonne rot behauchte Firmament.

Flatternd erst und dann auch segelnd umkreiste sie die Welt, sah Wunderschönes und auch Kriege, schüttelte ihr nun blühend Haupt, nickte der Wüstenkaktusblüte zu, setzte sich zum Baum des Affenbrots, sang in hellsten Tönen ihre Lieder, atmete den Duft im Unterwasserflieder.

Da wachte sie auf aus ihrem Traum, trank sanft den Tau vom grünen Blatt, blühte auf am Busch, erfreute jedes sehend Aug, doch träumte sie nun jede Nacht auf ihren virtuellen Schwingen, die nicht am Rosenboden lassen ins Erdenreich sich zwingen.


Diese Wochengeschichte per Mail weiterempfehlen >>

Seite www.francois-loeb.com per Mail weiterempfehlen >>


"Die Ameisen des Kopernikuss" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:


TERMINE

LESUNGEN 2017

  • 29.
    NOV
  • LESUNG
    Stadtbibliothek Sursee

Aktuelles

HAARSTRÄUBENDE GESCHICHTEN:

DEM LEBEN ABGESCHNPPELT

Ein Spiegelbild des verfremdeten Alltags, anregend, voller Skurrilität.

weitere Info >>

Kurzgeschichte der Woche

Der Traumhändler

Wer ist nicht in seinem Leben schon betrogen worden. Oder zumindest angelogen. Aufs Kreuz gelegt. Übers Ohr gehauen...

Mehr lesen >>

Neu erschienen

  • Cover Neuerscheinung Zeitweichen
  • Neu

    ZEITWEICHEN

Weitere Info >>

  • Cover Neuerscheinung T-RUMP-EL-PFAD
  • Neu

    T-RUMP-EL-PFAD

    Moritat in 13 7/5 Bildern

Weitere Info >>