Kurzgeschichte der Woche

Wolkensprache

“Weißt Du dass Wolken sprechen?” Ich sitze auf einer Parkbank, genieße die Sonne und fürchte, dass die vorüberziehenden Wolken mir die Sonnenstrahlen stehlen. Die alte Dame, sie muss ihrer Schrumpel-Haut und der Falten im Gesicht bald ein Jahrhundert alt sein, hat sich einfach neben mich gesetzt und ich bin auf den äußersten Rand der Parkbank gerutscht. Habe keinerlei Lust auf ein Gespräch. Will nur die Sonnenstrahlen auf meiner Haut tanzen sehen. Sie rückt näher. Schaue mich um. Suche nach einer freien Sitzgelegenheit. Doch alle sind besetzt. Nichts zu machen. Ich muss mich in mein Schicksal fügen.

“Ja”, fährt sie fort, “Du musst nur die Ohren spitzen. Das Säuseln des Winds vernehmen der die Wolken antreibt. Ihm vertrauen sie ihre Wolkenworte an. Er trägt diese weiter. Lustig huschen die Gespräche hin und her. Nur aufmerksam sein musst Du! Im Augenblick beratschlagen sie wann die Sonnenstrahlen bei Dir verschwinden sollen. Amüsieren sich köstlich Dich zu narren. Hier sind sie, dann verschwunden. Die Sonnenstrahlen. Doch die Wolkensprache kann auch ernst sein. Wenn die Auflösung besprochen wird. Wolkenauflösung die Menschen feiern sind für das Gewölk äußerst schmerzhaft. Einfach nicht mehr da sein. Kein Dasein mehr. Nicht in den Himmel kommen, ja das ist ein hartes Los! Somit geht die Parole von Gewölk zu Gewölk ja, höre hin: Das Leben zu genießen. Zu tanzen! Sich zu vereinen, Blitz und Donner zu gestalten, denn Blitzableiter dürfen nicht arbeitslos sein und auch nicht alte Bäume die gespalten werden wenn Wut und Drang sich bei den noch jungen Wolken einstellen.”

Jetzt rückt die alte Dame wieder etwas von mir ab. Streckt ihr linkes Ohr gegen den Himmel. Ihr Gesicht verziert nun ein himmlisches Lächeln. Sie sieht mich an: “Die Wolken rufen! Ich muss jetzt gehen. Auf Wiedersehen in den höheren Sphären” und die Dame beginnt zu schweben. Löst sich langsam in Nebel auf. Winkt mit einem engelhaften Flügel mir ein letztes Mal zu und flüstert: “Wir werden alle wolkig, auch wenn wir es noch nicht wollen, lern also die Wolkensprache, damit Du vernimmst wann Du mit ihnen spielen dar …”




Dreisatzroman der Woche

W O L K E N B A N K

Auf der weißen Wolke die am Sommerhimmel leise segelt, steht tief eingesunken in den weichen Nebel, die Parkbank auf der ich einst mit dir damals vor Äonen saß.

Obwohl aus hartem Holz geschnitzt und mit Eisennägeln auch gespickt, ist sie weich, die Parkbank, wie ein Kissen, weil du darauf einst saßt.

Jetzt segle ich einsam durch die Zeit, sitzend auf der weißen Wolke, halte Ausschau stets, doch hüllt langsam stetig der Wolkennebel mich jetzt ein, lässt die Gedanken milchig weiß aufs Neue leben ...


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"Wolkensprache" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:


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