Kurzgeschichte der Woche

Powerbank

Wir sind Wandervögel. Die ganze Familie. Also ich muss einschränken, meine Frau und ich. Bei den Kids liegt die Gemengelage leicht anders. Wanderfreunde kann ich sie nicht nennen. Auch nicht Teilzeit-Wanderliebhaber. Da trifft eher die Bezeichnung Wander-Besessene auf sie zu. Ich erkläre mich: Solange das Sitzen einen Teil des Weges ausmacht sind die Kinder dabei. Die Pausen, das Einkehren sind wichtiger als der Weg. Im Gegensatz zu uns. Da ist der Weg das Ziel. Nun planen wir bereits seit einigen Wochen eine längere Schneeschuh-Wanderung von Hütte zu Hütte für die kommenden Schulferien. Natürlich gilt in unserer Familie, als Vorbereitung und Schulung für gelebte Mitbestimmung im Staat, direkte Demokratie. Als Erstes und entscheidendes planen wir den Inhalt unserer Rucksäcke. Da ist der Platz beschränkt. Es muss entschieden werden was mitgenommen werden soll. Jeder von uns hat Vorschlagsrecht. Wir notieren an der Pin-Tafel die Wünsche. Unterteilt in ‚must‘ und ‚Nice-to-have‘.

Bereits die Einteilung der Vorschläge in die beiden Kategorien führen zu langen Diskussionen. Zu Abwägungen. Zu Hin und Her. Die Pin-Zettel wechseln immer wieder ihren Platz. Als der Vorschlag, den der Älteste in die Runde wirft, zur Tafel schwebt und dort unter ‚must‘ einschlägt, schwant mir Böses. Auf dem Zettel steht Powerbank. Aha, denke ich, eine Bank mitschleppen um der Faulheit zu frönen! Wer soll denn diese tragen? Bestimmt ich. Der Lastesel der Familie. So beginne ich, als der Wunsch unter ‚must‘ eingeordnet wird zaghaft, mit dem Ziel den Wunsch, nein das Muss zu vertreiben, Fragen zu stellen. Erkundige mich, ob die Bank aufblasbar sei. Aus leichtestem Material bestehe? Ein Kopfschütteln kombiniert mit einem Pupillen-gen-Himmel werfen, als seien diese am Kunstturner-Reck am Üben, ist die verneinende Antwort. Ich schlage vor den Wunsch ins ‚Nice-to-have‘ zu verschieben.

Wiederum diese vernichtenden Himmels-Pupillen-Blicke. So belasse ich ihn im ‚must‘. Bin überzeugt das mit der Zeit noch ändern zu können. Hirnverbrannt, denke ich, eine Bank, egal welcher Art auch immer, auf der mehrtägigen Wanderung mitzuschleppen, wo doch der Platz der Rucksäcke so beschränkt ist. Ich weise darauf hin, dass wir zu Schluss bestimmt noch eine Eliminations-Runde durchzuführen haben werden. Wieder vernichtende Blicke des Ältesten. Er wendet sich ab. Entschwindet in sein Zimmer. Kommt mit seinem Smartphone zurück. Einem Ladekabel. Hält etwas Viereckiges zusätzlich zwischen Daumen und Zeigefinger. „Wie willst Du das GPS auf der Wanderung nutzen, wenn die Power ausgeht. Wie sollen wir unseren Weg finden ohne genügend Power. Die Powerbank ist ein ‚must‘ “ ...



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Ein Kommentar zu dieser Kurzgeschichte:

Am 7. Dezember 2018 schrieb ein anonymer Leser:

"Die Powerbank ist sehr realistisch, die Generationsunterschiede sind leicht überzeichnet, aber so ist es. Die armen Eltern und die "allwissende" Jugend. Sie sind ein begabter Erzähler, der für überraschende Pointen sorgt! Am besten finde ich, dass Sie sich nicht festlegen lassen und diverse Themen/Ebenen verarbeiten."




"Powerbank" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:





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