Kurzgeschichte der Woche

Kurzgeschichte der Woche

An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.

Im Archiv können Sie dann auch stöbern und "alte" Kurzgeschichten lesen und anhören.

Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf  >>) :

Das Bankgeheimnis

“Bankgeheimnisse! Ha, Sie wissen nicht wie viele Geheimnisse die Bank auf der wir jetzt gerade sitzen verbirgt. Liebesgeheimnisse. Trennungsgeschichten! Geheimnisse von auf ihr Übernachtenden. Ich könnte Ihnen noch Dutzende aufzählen die ‘unsere’ Bank gesehen und erlebt hat!” Ich sah, dass das Bankgeheimnis ein echtes Anliegen meines Banknachbars im Stadtpark zu schein schien. Kein Wunder da er ja ziemlich heruntergekommen aussah. Ein echtes Bankgeheimnis passte einfach nicht zu seiner Gestalt. Das konnte ich, ein Bankdirektor in Pension, durchaus beurteilen. Und er rückte mir immer näher, was mir durchaus unangenehm war. Denn der üble Geruch der von ihm ausging stach mir in die Nasenlöcher, belästigte meine Lungenflügel. Doch obwohl alle meine Hirnzellen mir befahlen aufzustehen, das Weite zu suchen, widerstand ein Herzimpuls, dem ich so oft erlag, diesem Fluchtbefehl zu folgen. So blieb ich sitzen. Ließ mich weiter von den Bankworten überfluten, die jedoch eine für mich völlig überraschende Wendung nahmen. Der schmuddelige Kerl fuhr fort: “Weißt Du, dass das größte Bankgeheimnis ganz in Deiner unmittelbaren Nähe liegt? Ja, da staunst Du! Staunst mehr als dass Deiner linken Zehe recht ist. Oder staunst noch nicht. Rätselst nur was das alles soll. Mit Recht und großem R, denn ein kleines wäre da nicht angebracht. Das Geheimnis sitzt gerade neben Dir!” Und als ich mich umschaue, nach rechts , er saß ja zu meiner linken Seite, saß war eine absolute Übertreibung, er fläzte sich trotz seiner bestimmt siebzig Jahrringen wie ein Teenager in seinen besten Flegeljahren links neben mir, sah ich rechts nichts.

Niemand saß da. Auch kein Gegenstand lag da. Ich muss ziemlich verdutzt aus meinen Augen geblickt haben, als er, der noch näher gerückt war, mich an stupste und beinahe krächzend wie ein verprellter Rabe bemerkte: “Zu mir hin musst Du sehen! Ich berge das Geheimnis. Bin das Geheimnis. Erkennst mich nicht? Bin ich Dir zu wenig?” Sofort begann ich mein Hirn zu zermartern. Ein Schulkamerad? Doch wie soll ich den im Alter wiedererkennen können? Eine Bekanntschaft aus meinem Wehrdienst? Kaum, denn das waren alles muskulöse Männer in der Spezialeinheit. Ein Studienkollege der Psychologie studiert hat und daran zerbrochen ist? Seine Stimme löste etwas in mir aus. Eine vage Erinnerung! Doch welche? Ich versuchte in meinem Gedächtnislager einen Hinweis, eine Spur zu finden. Doch die chaotische Lagerung ohne jedes logische System, die ich von der Industrieentwicklung übernommen hatte, ließ mich nicht fündig werden. Ich stöberte und stöberte während der Abgerissene noch näher zu mir rückte. Ich roch jetzt bereits seinen schlechten Atem und seine schmutzige Ausdünstung. Mir wurde beinahe übel …

Da erklang aus seinem Mundschlund der Satz:”Bürschchen streng Dich an, sonst wird es dir übel ergehen! Dafür stehe ich gerade auch ohne Garantieschein.” Darauf ertönte ein Schniefen. Ein schleimiges durch die Nase Atemholen. Und wie durch ein Wunder erinnerte sich mein Gedankenlager an diesen Satz samt schniefigem Atemholer unmittelbar und erschreckend! Als ich meine Lehre in der Bank meines Wohnortes absolvierte hatte mich der Filialdirektor mit genau diesen Worten zurechtgewiesen als ich mich nicht an ein Nummernkonto eines hochgestellten Kunden erinnern konnte, der mit dieser Nummer angesprochen werden wollte und nicht mit seinem wahren Namen um das Bankgeheimnis zu wahren. Weshalb er die Geheimnummer mit diesem Tun entheimlichte lag für mich so quer zur Landschaft wie das Anschmiegen meines Banknachbarn. Der Filialchef hatte eine steile Karriere hingelegt, war Vorstandschef des Bankhauses geworden, mit welchen geheimen Mitteln auch immer. Dann schimpflich, einer geheime Affäre die hohe Wellen bis ins oberste Gericht des Landes geworfen hatte, unehrenhaft entlassen worden. Nie mehr hörte man von ihm. Nach Absitzen seiner langjährigen Strafe munkelte man, sei er, samt seiner Geheimnummer Konten, ausgewandert und habe sich eine neue Identität zugelegt.

An jenem Tag erkannte ich, dass das Bankgeheimnis zwar woanders, aber doch neben mir lag und verstand kurz darauf meinen Banknachbarn, dass er sein Geheimnis wahren wollte, was ich trotz meiner langjährigen Antipathie für ihn auch weiter zu wahren wusste.
Doch seines damaligen Kunden Strategie folgend entheimliche ich hier das mir anvertraute Bankgeheimnis, damit es weiter gewahrt werden wird ...




Dreisatzroman der Woche

W O L K E N B A N K

Auf der weißen Wolke die am Sommerhimmel leise segelt, steht tief eingesunken in den weichen Nebel, die Parkbank auf der ich einst mit dir damals vor Äonen saß.

Obwohl aus hartem Holz geschnitzt und mit Eisennägeln auch gespickt, ist sie weich, die Parkbank, wie ein Kissen, weil du darauf einst saßt.

Jetzt segle ich einsam durch die Zeit, sitzend auf der weißen Wolke, halte Ausschau stets, doch hüllt langsam stetig der Wolkennebel mich jetzt ein, lässt die Gedanken milchig weiß aufs Neue leben...


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