kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

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Der Zahn

Empfohlen wurde mir der Zahnarzt von meiner Bekannten, die dank ihm ein strahlend weisses Beisswerk besitzt. Damit überzeugt. Eine fantastische Arbeitsstelle innehat. Weit mehr Einkommen als ich verzeichnet. Ebenfalls im Liebesleben und Beachtungsgrad so viel punktet, dass sie mit ihren Erledigungen kaum mehr nachkommt, in den Pendenzen hängen bleibt. Diese ihre besten Jahre belasten. Auch mich hat ihr Strahlen in Geiselhaft genommen. Beinahe jede Nacht träume ich von einem bis in ihr Bett führenden Liebesweg, der sich, sobald aufgewacht, als Schimäre erweist. Denn was soll jemand so Erfolgreiches mit einem Nobody wie mir anfangen? Erst recht nicht, wenn ich den Altersunterschied von beträchtlichen angebrochenen Jahrzehnten betrachte. Und erst recht nicht im Vergleich zu meinem Gebiss, das bereits einige kostengünstige, angegilbte Implantate beherbergt.

Also nichts wie die Anschrift dieses Zahnzauberkünstlers heraussuchen. Er wird mir bestimmt helfen können, selbst meinen Träumen einen bedeutenden Realityschub zu verpassen. Auf Facebook und anderen Social Media die Bewertungen über den Zahnerneuerer prüfen. 4,5 Sterne bei 7643 Bewertungen. Alle bei 5 Stars wären verdächtig. Gekauft. Bestochen. Gefälscht. Dem gehe ich trotz teilweisem Zahnersatz nicht auf den Leim. Bin da zu abgebrüht. Zu erfahren. Selbst die Mailadresse habe ich herausgefunden. Entscheide mich für die Telefonnummer, deren 5 Siebenern ich trotz bevorstehenden drohenden Schmerzen Sympathie abgewinnen kann. Wie soll ich mich bei Warteschlangen-Gefahr verhalten? Auch da habe ich bereits dank meiner Arbeit in einem Werbeunternehmen meine clevere Strategie erarbeitet. Die Endziffer wechseln. Da erreiche ich bestimmt ein Shortcut direkt ans Empfangsdesk und werde dann als VIP behandelt. Denn nur diese können das Warten in der Schleife umgehen.
Und tatsächlich erklingt eine freundliche Stimme nach dem ersten Tuuut. Bietet mir gleich einen Termin noch am heutigen Nachmittag zu einem Erstgespräch mit dem Arzt an, um die Anamnese und den Ablauf der Behandlung zu besprechen. Wiederum hat meine jahrzehntelange Erfahrung gesiegt. Manchmal lohnt es sich, einige Jahrringe in der Faltenkaskade zu besitzen.

So eile ich nach einem Gesundheits-Smoothie – meine Zähne sollen keine Verunreinigungen beim ersten Betrachten aufweisen – zur angegebenen Adresse. Ein betuliches Wartezimmer mit Polstermöbelausstattung empfängt mich. Ziemlich voll. Ich ergattere einen runden, bequemen Sessel, in dem ich sogleich tief versinke. Stelle mich auf eine lange Wartezeit ein. Greife zu einer dicken Illustrierten, die erst gestern herausgekommen ist. Auch diesen Luxus geniesse ich in dem Gedanken, meiner unerreichbaren Angebeteten bald ein Stück näher zu rücken.

Doch kaum die erste Seite aufgeschlagen, ertönt mit einem Klingklang im eingebauten, gedämpfte Klassik entlassender, gepolsterter Hightech-Lautsprecher mit einer gepflegten weiblichen Stimme mein Name, der mich auffordert, in den Behandlungsraum zu schreiten. Dem ich sofort, mich eines eleganten Gangs bemühend, nachkomme.

In strahlendem Weiss gekleidet, das mich an das Beisswerkzeug meiner gedanklichen Empfehlerin erinnert, begrüsst mich ein in Waschpulverweisswerbung strahlender Herr in den Fünfzigern. So schätze ich ihn jedenfalls ein. Ich kann ihm gleich mein Anliegen näherbringen. Ihn bitten, bei mir so rasch und gut wie möglich den an mir nagenden Zahn der Zeit zu entfernen der mich so stark behindert …


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

D E R  Z A H N

Im Wahn
wächst der
Zahn zeitlich
Zeitnah seitlich.

Weltlich friedlich hin
In Gleitzeit niedlich
Zur Friedenszeit.

Wann jedoch kann ohne Wahn
Wahr werden die Vision des ewig
Menschheitstraums:Erst wenn Karieszahn
Der Aggression gezogen durch Blicköffnung
Hin zum Erkennen des zeitlos Weltenraumesraum.




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"Der Zahn" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:







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