kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

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Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :

Der Authenticator

Ich liebe es, in der Stadt spazieren zu gehen. Oder besser ausgedrückt zu wandern. Nicht von Gipfel zu Gipfel und nicht im dunklen Wald, umgeben von spriessenden Pilzen, die über Nacht das Tageslicht erblicken. Doch auch in der städtischen Umgebung wird man von Überraschung zu Überraschung geleitet. Vor allem seit es Mode ist, Überflüssiges in Kartonschachteln mit der höflichen Bitte oder Aufforderung ‘ZU VERSCHENKEN’ versehen auf den Gehsteig zu stellen. So kann ich statt Naturwundern in der Stadt Geschenktem klar in die Augen blicken, mich darüber wundern, was alles überflüssig wird. Eine wahre Augenweide ist das. Wertvolle Augenblicke erlebe ich täglich! So auch heute. Plunder ist zwar kein Wunder, doch da und dort winken Geschenke, die ich gebrauchen kann. Da wäge ich immer ab, ob zuzuschlagen sei oder nicht. Mit meiner inneren Chaoswaage, denn meine Bleibe, eine bescheidene Einzimmerwohnung, ist bereits beschenkterweise chaotisch überfüllt. Eigentlich müsste ich, sagt mein Verstand, einen grossen Kartonschrank auf die Strasse stellen, mit eben dieser netten Aufforderung 'ZU VERSCHENKEN'. Doch ich kann mich nicht von Geschenken trennen, das wäre gegenüber dem unbekannten Schenkenden nicht nur unhöflich, nein, ein nie wieder gut zu machender Affront ohne jede Umgehungslist. Erst gestern habe ich eine zerkratzte CD von Franz Liszt ergattert, sie lag in einem Behältnis aus Sperrholz.

Die geniale Komposition wiederum auf die Strasse zu stellen, könnte ich dem einmaligen Komponisten gegenüber nie übers Herz bringen. Doch sei es wie es sei, ich muss mich mit den Gegebenheiten abfinden. Heute nun, nach einem 50-minütigen Marsch (ich bin dabei leicht ins Schwitzen geraten), bleibe ich vor einem nackt am Gehwegboden liegenden schwarzen Kästlein stehen. Es ist auch mit dem üblichen Text in krakeliger Schrift als Geschenk markiert. Nehme es in die Hand. Wozu dient wohl dieses Stück Elektronik? Kann ich bestimmt gut gebrauchen, denken meine Grapschneuronen in der rechten Hirnhälfte, die ja normalerweise links liegen sollen. Einerlei. Auf dem Gerätchen steht sehr klein in weisser Schrift (zum Entziffern muss ich meinen Lese-Zwicker hervorholen): ‚AUTHENTICATOR' geschrieben. Wundere mich über dieses Wort. Entdecke einen kleinen roten Knopf. Hoffentlich hat der Authenticator noch Power, bemerkt der Kaiser meiner Hirngrapschneuronität. Und tatsächlich, nach dem Pressen des Powerbuttons geht ein knarrendes Stimmchen los: „Wir haben zu prüfen, ob du ein Mensch bist. Besteige die drei nächsten Kamine!“

Ich befolge mit viel Anstrengung die Anordnung.

„Falsch!“, knarrt das Stimmchen. „Überquere die drei nächsten Fussgängerstreifen.“

Ich renne über die Strassen. Werde beinahe angefahren. Hupkonzerte statt Lisztmelodien.

„Falsch! Du hast einen ausgelassen!!“

Die Ausrufezeichen schmerzen mein Trommelfell.

„Letzte Gelegenheit“, mit Vibrato vorgetragen.

„Klettere auf die nächste Hochspannungsleitungund berühre die Drähte“, kommt die Aufforderung, der ich folge.

Und sogleich knurrt und knarrt das Kästchen:

„Authentifizierung fehlgeschlagen! Du bist kein Mensch, sonst wärst du jetzt verstromt im Jenseits angekommen …“



Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

M E N S C H L I C H ?

Was in der Welt da abgeht
Ist das noch menschlich
Oder gar tierisch.

Da 'bedanken' sich
Über diesen Vergleich
Die Schar derTiere gehen 
Im Protest auf himmlischen
Pfaden die Milchstrassenwege 
Fest und klar eingereiht beschreitend.

Was nur soll geschehen
Damit der Wahnsinn 
Friedlich endet?



Geschrieben von François Loeb, Schweizer Schriftsteller. Weitere Geschichten finden Sie auf der Archivseite >> und hier sind alle Dreisatzromane >> aufgeführt.


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"Der Authenticator" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:







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