kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

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Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :

Ei-gen

Unregelmässig checke ich meinen Spam-Ordner. Was da auch immer landet! Nicht zu glauben. Zu was ich nicht alles ein-, aus- oder weggeladen werde. Wie viele Versuche, mich übers Ohr zu hauen. Aufforderungen, Banklinks, die mich linken werden, anzuklicken. Mich aus der Komfortzone damit auszuklinken.

Das grosse Los gewonnen! Die Mega-Erbschaft des unbekannten Onkels aus den USA wartet voller Ungeduld. Dazu nur einen kleinen Schritt auf den Vermächtnis-Verwalter zugehen. Goldjunge bringt Goldschatz.

Unendliche Beispiele könnte ich noch zitieren. Aber besser den Spam-Müll gleich in den Papierkorb verfrachten. Diesen mit Schwung ins Daten-Nirwana befördern. Ins Nimmerwiedersehen.

Doch HALT! Rotes Licht. Nicht Rotlichtviertel. Auf das lasse ich mich mit blauer Garantie nicht ein. Nein, ein Spam, der jahreszeitgerecht aufblitzt, weigert sich, entsorgt zu werden. Klicke mehrmals auf den Entsorgungspunkt. Keinerlei Reaktion. Vielmehr blitzt dieser ungebetene Gast immer wieder bunt eingefärbt wieder auf. Ach ja, es ist kurz vor Ostern. Die Regale der Superhypermega-Märkte stöhnen unter der Fron der Osterangebote. Ist dieser unlöschbare Spam ein Kind eines dieser Regale, das Hilfe bringen will, bevor der ganze Spuk, da Nachosterzeit naht, zu Boden knallt.

Zwinge meine zehn Systemfinger, die vor Angst, ins Linkeland befördert zu werden, zittern, den angegebenen Link anzuklicken.

Da wird mein Bildschirm schwarz. Rabenschwarz. Erschrecke. Einen Käfer eingefangen? Meine Daten abgesaugt. Als wäre mein Rechner ein Säugetier. Doch da wird er erneut hell. Wie im Morgengrauen. Aber ohne Grauen. Ein farbenfrohes Ei zeigt sich. Hat Mund und Ohren. Ist glatzköpfig. Bein- und armlos. Behauptet jedoch das grosse Los zu sein. Das Supermegahyper-Ei.

Es hätte sich eigens für mich herausgeputzt. Mit einem Bindestrich geschmückt. Nenne sich nun EI-GEN. Ich solle nur warten. Sein Gen sei etwas Besonderes. Einmaliges. Ich würde dann bestimmt zu unbestimmtem Zeitkomma staunen. Denn nach dem Brüten werde eine nicht zu erwartende Überraschung schlüpfen. 

Geduld, Geduld, mahnt jetzt das Ei. Reisst dabei den Mund weit auf, sodass ich seinen tiefsitzenden Dotter sehe, der in allen Farben glitzert, als sei er ein Überbleibsel einer Weihnachtsdekoration mit aller Hoffnung, die sie ausstrahlt.

Ich rede dem Ei gut zu. Es soll in die warme Stube der Cloud, woher es komme, immigrieren. Meine Arbeit könne nicht warten. Es soll Platz freigeben. Speicherplatz. Bevor ich die Datenpolizei zu Hilfe rufen würde.

Da platzt das Ei. Wirft sich in die Datenschüssel. Legt seinen Inhalt frei. Es ist ein weiteres Ei, dessen Dotter bereits flimmert. Der Bildschirm eiert. Die Dateneier kullern jetzt aus dem Bildschirm. Fliehen in meine Kleider. In die ei-genen Armbeugen. Suchen Wärme. Wollen bebrütet sein.

„Erfülle deine Aufgabe“, befiehlt der Bildschirm herrisch.

Und ich brüte. Brüte über die Lage unserer Welt. Und siehe da: Dadurch spalten sich die Eier in meiner Obhut. Schalen fallen ab.

Hunderte von Friedenstauben flattern aus meinem Rechner. Bringen den ersehnten Frieden über den aufgewühlten Globus. Ich reibe mir die Augen. Wache langsam auf.

Ach, war das ein Traum? Ein Friedenstraum! Verbiete ihm die letzten 6 Buchstaben. Will das unerwartete Geschenk wenigstens in meiner Erinnerung traumlos sicher verwahren. Wahr werden lassen. Den Frieden …“


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

E I E R L E I

Co Co Columbus
Sein Ei wohlverwahrt
Jahrhunderte aufbewahrt.

Nicht verfault auch nicht
Vergrault gilt stets noch
Immer in jedem Raum.

Regel Eins und dann Regel Zwei
Sogar die Nr. Drei: Lösung Einfach
Dieses jedenfalls in jedem Falle sei.




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"Ei-gen" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:







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