kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

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Eppsylon

Sie stellte sich mir als Eppsylon, natürlich mit Doppel-P, vor. Nicht zu verwechseln mit Ypsilon, dem armengenössigen, selten verwendeten und einzig mit einem P gesegneten Namensvetter. Oder Namensvetterin. Das Geschlecht hat mir Eppsylon bei unserer ersten Begegnung nicht verraten. Man muss ja auch nicht alles wissen. Wissen kann Ballast sein, auch hier mit Doppelbuchstaben statt p zwar l, doch immerhin im Doppel, das auch ein Aufgemischtes sein kann, was mich ungehörig beruhigt. Denn wiso (das fehlende e hat sich aus dem Staub gemacht. 'Staub zu Staub', bemerkte der Geistliche im Jugendunterricht, 'wer weiss, was wir alles nicht wissen'. Werden wir möglicherweise diesem flüchtigen e in einem fernen Buchstabenuniversum oder einem jenseitigen, salzig süssen Universalzusammenhang erneut begegnen?), und warum alles Unbekannte abwehren müssen? Es gibt unendlich viel davon!

Muss die Erde oder die Welt und das, was darauf kreucht und fleucht, immer genau eingeteilt werden und in Ordnerbuden wie auf einem Jahrmarkt trillernd eingedrillt werden? Ein ordentliches Chaos ist auch zu achten und ihm entsprechende Ehre einzuräumen. Vom Ausräumen möchte ich nicht einmal sprechen! Da gäbe es so viel Arbeit. Oder etwa nicht, befrage ich meine neue Bekanntschaft Eppsylon. Wage es nicht, ein p wegzulassen, obwohl ich dabei Tinte oder Druckfarbe sparen würde. Es wäre eine zu grosse Buchstaben- oder vielmehr Worteslästerung. Und Worte sind nie eine Last, umso weniger eine Lästerung, es sei denn, diese würden gegen den Willen desjenigen oder derjenigen, die sie beschreiben, falsch geschrieben. Gefakt buchstabierte Worte können sich zu Waffen entwickeln, denken wir doch an den Rotstift der Leerpersonen.
(Haltet es an, das geflohene e!)

Vorsicht und nicht Nachsicht, denn jetzt hagelt es einzig eines kleinen Buchstaben wegen Proteste, als seien diese Prothesen oder verlängerte Finger, die sich unter dem Lineal-Trommelfeuer einer längst verblichenen Lehrperson wohlig rekeln. Möglicherweise wolkig, denn die Lehrperson schaut vom flauschigen Wolkenbett alles andere als wohlig auf unsere modernen Erziehungsmethoden und umschüttet Frau Holle dabei das weiss umnebelte, längst in Hagelkörner-Eiseskälte abgestorbene Haupt.

Nun fordert ohne Wenn und Aber, auch ohne Kain und Abel, Eppsylon meine volle ganze Aufmerksamkeit. Beschuldigt mich der Liederlichkeit (ohh, da ist ja das entwichene e erneut!), obwohl ich nicht singe. Mich dagegen auflehnen? Lieber zeigen, dass ich die Seele meiner neuen Spielgefährtin verstehe, mich auf diese einlasse. Beim Forschen und Buchstabenbohren entdecke ich das Geeignete: ‚In der Lautschrift steht das Epsilon für einen ungerundeten, halb offenen Vorderzungenvokal (offenes e) zur Bezeichnung einer beliebig kleinen Zahl grösser als null. Eine solche Zahl wird in der Analysis bei der Definition von Grenzwerten wie Supremum und Infimum benötigt.'

Bestimmt wissenschaftlich unverständlich, ein genügend werde ich dadurch ernten können! Doch da erhalte ich ein übergrosses P ohrenbetäubend mit folgenden Worten peitschend um meine siebzehn Ohren geknallt. (Was es nicht alles gibt, das es nicht gibt und das wir selbst im eigenen Selbst nicht erkennen):
'Willkommen in der modernen, knallbonbonartigen, zuckersüssen universalzusammenhängigen, in der reinen, von Pulver strotzenden luftgedrosselten Welt. 'WER NICHT HÖREN WILL MUSS FÜHLEN' …, auch wenn nicht einmal 6 von siebzehn meiner abgezupften Ohren erklingen, sondern das Dröhnen der knalligsten P-Symphonie des Komponisten 'Krieg' erknallt.'


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

E P L Ü S C H I E R E N

Entfernt von der Aussenhaut
Dabei denkend zu erblicken endlich
Überhaupt das Wesentliche ungeschaut.

Die Innenhaut erschauernd 
Uns entgegenblickt
Dabei lauthals
Klickt.

Das Unbekannte Unerkannte
Dadurch nennen und dabei erkennen
Lässt das Wissen in Unwissen umbenennen.




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