kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.

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Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :

Der grosse Fang

Raffael ist an und für sich ein netter Kerl. Bezeichnenderweise schreibt er seinen Vornamen mit 2 f‘s, obwohl er im Taufrodel mit einem hinterlegt ist. Erstaunlich ist einzig, dass er nicht fff benutzt, das würde ihm bestimmt noch mehr entsprechen. Er ist zwar völlig in Ordnung, einzig dass er kein Mässiger, nein, ein massloser Übertreiber ist. Eine 5 cm lange Eidechse wird in seinem Mund, auf seiner Zunge ein feuerspeiender Drachen von einigen Meter Länge. Und eine Wurst hat bei ihm sieben Enden, als sei es eine Katze mit 7 Leben. So habe ich, wenn mit Raffael zusammen, stets meinen Divisor in der Tasche, er würde diesen einen Divisionär nennen, denn militärisches Vokabular liegt ihm in dessen Übersteigerung der nicht stattgefundenen Siege beinahe gleich wie die Sprache der Fischer die aus einem Mückenfisch eine Herde menschenfressender, blutrünstiger Haie gestaltet.

So bin ich auf einiges gefasst, als ich von Raffael zum Nachtessen in die in seinen Augen allerbeste Foodtruck-Gaststätte unserer Region eingeladen werde. Er bezeichnet diese als seine Revanche für Speise und Trank, die meine Gattin und ich ihm vor 18 Monaten kredenzt haben. Mache mich hämisch über ihn lustig, indem ich meiner Frau mit Überzeugung dieses Lokal als Mc Donald's Foodstehtruck vorstelle. Übrigens bin ich allein zu diesem Anlass eingeladen. Meine Gemahlin hat weder ein freundliches, noch ein gehässiges Aufgebot von Raffael (trotz den 2 f’s) für diesen Abend erhalten, was sie keineswegs verärgert, sondern beglückt.

So ziehe ich heute um 17 h meine besten Röhren Jeans, ein Hemd mit Schlips und meine auf Hochglanz gebrachten Lederschuhe, seit einem Jahr nicht mehr getragen, an und fühle mich total overdressed, was aber bestimmt Raffael gefallen wird. Wir haben als Treffpunkt den Hauptbahnhof meines Wohnortes ausgemacht. Ein hässliches, unsauberes, von Taschen-Kriminalität strotzendes Gebäude. Raffael wartet auf mich beim Haupteingang. Er hat, was mich sehr erstaunt, löchrige Jeans und ein vor Fettflecken strotzendes Hemd für diesen Abend ausgewählt. Nichts von seiner sonst so glänzenden Eleganz. Will er nicht Opfer eines Taschendiebstahls werden, frage ich mich gleich. Doch von Befürchtung oder Angst kann ich nichts in seinem Gesicht erkennen. Im Gegenteil, seine Augen leuchten und er eröffnet mir, dass der Foodtruck nur eine Täuschung sei, denn viel mehr wolle er mir heute Abend den grossen Fang vorführen der ihm gelungen sei. Den er nach enorm viel und übergrosser Mühe erreicht habe. Dafür müssten wir in die S-Bahn steigen und einige Distanzen hinter uns bringen. Er habe das halbe Leben, nämlich seit er seinen Kinderschuhen entwachsen sei, die zwar mehr als gross, wie könne es anders sein, ausgefallen seien, hinter diesem Fang hinterhergejagt. Diesen nun endlich erbeutet und erlegt. Ich würde dann bestimmt staunen, sei auch der Erste, der diesen zu Gesicht bekomme. Möglicherweise könne das mich ebenfalls beflügeln, denn seit dem Catch habe er den Eindruck, ihm seien dadurch echte Flügel gewachsen. So sei von seiner Erfahrung zu lernen, damit es für mich nicht so anstrengend, ja kraftraubend wie bei ihm sich gestalten werde, meinen grossen Fang zu erlegen.

Wir besteigen die erste überfüllte Bahn, es ist Feierabendzeit, in Richtung Nord. Bleiben zweieinhalb Stunden stehen, denn alle Sitzplätze sind besetzt. Mir ist unwohl. Ich habe keine gültige Fahrkarte. Befürchte jede Minute eine Ticketkontrolle. Raffael aber bleibt ganz ruhig. Hat er wohl einen gültigen Fahrschein? Wir wechseln dann die Bahn jetzt Richtung Süd, in der wir endlich einen Sitzplatz ergattern. Der Vollmond, der erst jetzt sichtbar wird und die Landschaft mit fahlem Licht tränkt, beleuchtet die gespenstisch wirkende Natur. Nach weiteren drei Stunden falle ich in einen ruckeligen Halbschlaf, aus dem ich erst bei aufkommender Morgenröte erwache.

Da stösst mich Rafael (ein der zwei f‘s haben sich in der Nacht in Staub aufgelöst) an und erklärt mit Flüsterstimme er könne mir jetzt den grössten Fang seines Lebens vorführen, der ihm so viel Mühe gekostet habe und dem ich doch auch mit seiner Erfahrung hinterherjagen soll.

Seine Beute zu Beginn dieses Jahres, sei für ihn Rafael brandneu und bedeutend, nenne sich ganz einfach, obwohl so kompliziert:

NEU-AN-FANG! …


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

V O R S A T Z

Der Nachsatz
Folgt dem Vorsatz
Holt diesen nie ein.

Da er sich Post- und
Keinesfalls Pre-Numerando
Felsenfest überzeugt auch im
Nachhinein gegenüber dem Vorsatz
Liebend gern selbst unbeeindruckt zeigt.

So bleibt er immer hintenan
Die Nummer Zwei selbst
Wenn der leere Vorsatz
Unerfüllt geworden
Gewesen sei.




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