Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche
An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.
Im Archiv können Sie dann auch stöbern und "alte" Kurzgeschichten lesen und anhören oder hier kostenlos und werbefrei erhalten >>
Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :
Hui
„Darf ich mich vorstellen? Er lüftet seinen auffälligen Hut. Ein Modell für Jäger? Darauf deuten eine bunte eingesteckte Feder und — vermutlich — ein Geissbart hin. Ein Jäger? Soll ich ihn mit Waidmannsheil ansprechen? Rundes Gesicht, Falten so mächtig wie Uhrzeiger.
„Mein Name ist HUI. Einfach nur HUI: Ohne Vor- noch Nachnamen. Einsetzbar, wie es Ihnen passt. Mister Hui, Master Hui, Herr Hui, Monsieur Hui, Signore Hui oder wie es sich in unserer DU-Kultur geziemt, nur Hui. Wenn es beliebt, gar Huihui, aber nicht aus China stammend. Ich bin und bleibe ein Globalist. Überall auf unserem Planeten zu Hause. Jeder Kreatur innewohnend. Ob diese es will oder verwirft. Mich verleugnet, teilweise akzeptiert. Mich liebt, gar hasst. Ich heisse Hui, und Du?“
Ich bin verwirrt. Was soll ich antworten? Kenne den Kerl nicht. Führt er irgendetwas im Schilde? Ich bin vorsichtig. Bereits zahllose üble Erfahrungen gemacht. Mit angequatscht werden. Bemerkungen übelster Art, bis vergötternd mit Wortschwallen überschüttet werden. Doch niemand hat sich mir je so manierlich-höflich vorgestellt. So nehme ich meine Zunge vom angezogenen Halfter weg, blicke dem Mann manierlich in die Augen. Mein Typ ist er nicht. Viel zu rund. Selbst seine nach hinten geföhnte Frisur passt mir nicht. Und sein windaufgeblähter Mund, bei dem seine absonderlich hervorstechenden Mandeln klar zu erkennen sind, macht mir Angst. Doch Höflichkeit überwindet so viele Hürden, und so gebe ich mit einem hoffentlich nicht zu erzwungen aussehenden Lächeln meinen Vornamen bekannt.
„Heisse Margerite, auch Margo genannt. Was wünscht Hui von mir?“
Hui, ich habe ihn sächlich angesprochen, da ich ihn einfach nicht einordnen kann. Kein Bekannter, und sein rundes Haupt, das von zeigerartigen Falten umgeben ist, gibt mir ebenfalls keinerlei Hinweis auf seine Herkunft. Auf sein Begehren. Will der Absonderliche Pekuniäres oder Lebensmittel erbetteln? Doch dazu sieht er viel zu wohlgenährt aus. Oder ist es doch nur billige Anmache? Heutzutage kann man besonders als Frau nie wissen!
Oh je, vom Gedanken von links nach rechts wälzen habe ich mein Date vollkommen ausser Acht gelassen. Sollte bereits seit einer Viertelstunde am Hauptbahnhof sein, wo mein Liebster mit der Bahn eintreffen soll. Aber die DB hat immer Verspätung, beruhige ich mich selbst. Also keine Panik. Ruhig bleiben. Hui kann mir den Buckel herunterrutschen. Doch ich will nicht unhöflich gegenüber einem höflichen Fremden sein. Erkläre Hui mein Dilemma. Und siehe da, er lässt von mir ab. Sagt nur: “BITTE SCHÖN“, und das in Grossbuchstaben.
Ich eile zum Bahnhof. Komme dort verspätet an. Doch das ist nicht mein Heimbahnhof. Sieht so anders aus. Und die einfahrenden Züge sehen so futuristisch aus. Ein Blick auf die grosse Uhr. Die Zeit stimmt, wenn ich meine Verspätungs-Viertelstunde einrechne. Doch irgendetwas ist faul. Erinnere mich an Shakespeare. Irgendetwas faul im Staate Dänemark. Doch ich bin im Heimatland. Muss mich noch zurechtmachen für meinen Liebsten. Ins WC verschwinden. Dort gibt es bestimmt Spiegel.
Da! Ein Spiegel. Ein Blick! Doch da sieht mir eine uralte Frau als Spiegelbild entgegen. Gepflegt. Und auf dem Spiegel in roter Schrift:
HUI, WIE RASEND SCHNELL DIE ZEIT VERGEHT!! HUIHUI ...
Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:
Z E I T
Zeit
Vergeht
Rrrasend
Schnell verglüht.
Selbst wenn bemüht
Zu bremsen sie
Doch wie.
Hui
Und pfui
Küderiendsui
Auf hunderttausend
Füsschen mir pffftik enteilt.
Geschrieben von François Loeb, Schweizer Schriftsteller. Weitere Geschichten finden Sie auf der Archivseite >> und hier sind alle Dreisatzromane >> aufgeführt.
Ihren Blog, die eigene Homepage, FB, Instagram, WhatsApp bereichern: Die Wochengeschichte oder/und den Dreisatzroman urheberfrei und kostenlos unter Nennung der Quellenangabe (https://www.francois-loeb.com//kurzgeschichten-kostenlos-lesen/geschichten-erhalten/) dort einfügen!
Freue mich darüber sehr!