kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.

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Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :

Leerauftrag

Ich bin seit Monaten auf der Suche nach einem neuen Job. Nicht einfach für jemanden wie mich, der im reifen Alter von 60+ liegt. Bewerbungsschreiben noch und noch. Absagen in Quantengrösse und ja, Besuche im Jobcenter. Mitleidsblicke als Abschiedsgepäck schwer in der gediegenen Ledermappe, ein Überbleibsel meiner früherer CEO Tätigkeit, nach Hause schleppen. Um zu sparen selbst den Linienbus verschmähen. Möchte nicht einen armen Taxifahrer um sein Fahrgeld prellen. So bestelle ich mir jeweils ein Taxameter vor die Vermittlungsstelle, steige dann ein, greife an die Brusttasche meines abgewetzten Anzugs, behaupte, meine Brieftasche im Büro liegen gelassen zu haben. Immerhin habe ich dadurch elegant den Schein der Wohlhabenheit gegenüber der Beamtin der Vermittlung gewahrt, da ich weiss, dass diese hinter den Jalousien jeden Abgang beobachten, um sich ein Bild des Vorsprechers für die Akten erstellen zu können. Nun, da habe ich ja gepunktet. Wiederholt gepunktet. Werde bestimmt entsprechende Jobangebote zugeteilt bekommen, die meinen Fähigkeiten, selbst denjenigen der Täuschungsfähigkeit, entsprechen. Bin stolz darauf. Doch ich kenne aus jahrelanger Erfahrung auch die bürokratischen Abläufe der Vermittlung, insbesondere derjenigen von Altersaspiranten, die auf hohe Posten aspirieren, die andere mit so viel Aus- und Einreden abzuwiegeln wissen. Deshalb habe ich beschlossen, auch selbst aktiv zu werden, nicht einfach auf den dicken, fetten Jobköder zu warten, um alsdann hektisch am Angelhaken zu zappeln. Eigeninitiative ist stets fruchtbar, fruchtbarer als das furchterregende Schicksal des GefangenWERDENS. Und so sprang mir die Anzeige ´Gut bezahlter LEERAUFTRAG ZU VERGEBEN´ in meine beiden Augensterne, verursachten ein erschütterndes Liderjucken, das meine Seele in Schwung, ja, in einen steilen Aufschwung versetzte!

Da muss ich mich gleich melden, signalisierte mir die dritte Synapse in der linken Hirnhälfte, die sich sogleich mit weiteren siebenundsiebzig dieser hirnwütenden Nervenzellen Aufmerksamkeit heischend, sich voreinander verbeugend verband, mir Beine machte, mich ohne Peitschenhiebe doch trotz neuestem, erst kurzfristig in Kraft getretenen  Böllerverbot, mit Synapsengeknalle in Alarmzustand versetzte.

Gleich gehts los, schwappte ein Tatgedanke zur Ausübungsapplikation, die ich erst in der letzten schlaflosen Nacht aus dem Playstore heruntergeladen hatte. Würdig anziehen! Kämmen! Kunstvollen Fliegenknoten binden. So lange nicht ausgeführt. Wie geht das noch? Wühle in meinen CEO Erinnerungen, bringe dadurch so einiges durcheinander, doch schlussendlich gelingt der Knoten ohne dass sich mein innerer, tiefsitzender Angstknoten lösen lässt. Doch trostvoll kommt mir die Mutter aller Gedanken zu Hilfe. Leer muss doch nicht ein unüberwindbares Hindernis, ein Stolperstein aus purem Eis sein. Fein gekleidet und jetzt noch aus meiner Deonotreserve einen Sprühsegen implodieren lassen, dann zum Erfolg aufbrechen.

Strassenbahn besteigen. Macht sich besser als eine Mietdroschke, die bereits aus aller Mode durch die groben Maschen gefallen ist, zu besteigen. Begehrliche Blicke von passenden Passagierinnen, die wohl auf die Werbeaussage des Duftfabrikanten, ´BEIM ANWENDEN WERDEN SIE UNVERFÄNGLICH ANZIEHEND WIRKEN´ hereingefallen sind. Selbst eine reife Matrone steht umgehend von ihrem hölzernen, bestimmt schwer erkämpften Sitzplatz auf, bietet mir ihren ungeplatzten Platz mit den Worten an: «Darf ich dem hereinspazierten Herrn meinen bescheidenen Sitz als Morgengabe ohne Vorder- oder Hintergedanken anbieten.» Da beschleicht mich, einer Paradiesschlange gleich, ein ungutes Gefühl in der Wirbelsäule, langsam nach oben kopfwärts wandernd, unwiderstehlich, als sei es ein knurrender Kettenhund, lautschwanz bellend: ´Sitze ich in der falschen Strassenbahn, oder gar im falschen Streaming?´ Doch die Haltestellendurchsagen rattern tonangebend in der richtigen Abfolge an mein gespitztes linkes Ohr, sodass ich beim angekündigten Stopp ´JOBCENTER´ irrtümlicherweise heftig die Notbremstaste malträtiere, um sicherzugehen, nein, bestimmt nicht daran vorbei zu gleiten.

Gut, denke ich: Gleitzeit ist immer besser als fixe Arbeitszeiten, steige aus, obwohl zahllose Mitpaxes mit Zeigefingern auf mich weisen und mir hinterherrufen. Immerhin habe ich dadurch eine gewisse Aufmerksamkeit erregt und Menschen in Erregung versetzt, was mir seit so langer Zeit nicht mehr gelang. Im Joggschritt eile ich dem Haus zu, das ich mir als Ziel gesetzt habe, gefolgt von der Menge, die mich denunzieren will. Rase keuchend, ganz ohne Keuchhusten die Treppen hoch bis zum Dachstuhl, der in Grossbuchstaben mit LEER angeschrieben ist. Ziehe an der eingebauten Kordel, um die Treppe zum LEER herunter zu ziehen, eile auf dieser nach oben, erreiche die nächste Stufe, die mit GANZLEER angeschrieben ist, um mich danach zur nächsten Stufe zu führen, deren Bezeichnung mir schlicht mit LEERER ALS LEER vor einer hundegleich heraushängenden Zunge entgegen prangt. Dort erwartet mich, als ich die hölzerne Treppe heruntergelassen habe und diese auf den Knien mit allerletzter Kraft emporkrieche, ein prächtiges Office, ganz ausgelegt mit KI Apparaten, und ich lese: ´DER DIE DAS KI CEO OFFICE BENÖTIGT EINE NEUE LEERUNG, DANKE, DASS DU DICH BEWIRBST, UM DEN PROZESS DES ENTLASSENWERDENS, WIE SISYPHOS EINST, NOCH UND NÖCHER STETS IN DEINEM LEBEN ERNEUT ERBEBEND ZU ERLEBEN´...



Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

L E E R

Leere
Wortemono
Logisch logo
Füllen dabei hüllend
Lolipoppig in runde Munde ein.

Staunen rauben Wahrheit 
Hüllend mundvoll
Huldig eisig
Lausig ein.

Weisen um sich selber
Kreisend wellig Sackgass
Führend schmallippenzünftig
In derer neue Zu-Kunftszunft hinein.



Geschrieben von François Loeb, Schweizer Schriftsteller. Weitere Geschichten finden Sie auf der Archivseite >> und hier sind alle Dreisatzromane >> aufgeführt.


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