kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.

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Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :

Reset

Ich betreibe eine Beratung für hilflose PC-Benutzer. Werde täglich von Hunderten Anfragen überschwemmt. Jede kostenpflichtig. Kann nicht klagen. Habe mein Auskommen. Und darüber hinaus. Muss mich von dem Altern nicht fürchten. Ein Quäntchen auf der Seite. Kann bald von einem Quantum sprechen. Oder einer Quäntin, denn auch meine Gemahlin muss einmal genug zum Leben haben. Auch wenn ich in die ewigen Computergründe entkommen oder möglicherweise von den Anfragelawinen geflohen bin.
Nicht vorstellbar, was für Anfragen bei mir eintrudeln. Monatelang könnte ich darüber berichten. Eintippen in meinen PC. Nein, denn das würde die Festplatte sprengen. In tausend Bestandteilen mir um die gespitzten Ohren fliegen. Denn solche muss ich besitzen. Denken wir nur an einen schwarzen Bildschirm. Da muss ich auf die Bio-Geräusche hören. Je nach deren piepsen, grummeln, sind Massnahmen zu ergreifen. Jede solche Problemstellung nimmt mich gefangen. Packt mich. Denn eine Lösung muss her. Koste es was es wolle. Ist Ehrensache. Ich kapituliere nicht. Kämpfe bis zum Äussersten. Gar bis hin zum Abfallhof. Tastaturfragen, Tastenkombinationen, Spracheinstellungen und Ähnliches sind Kinderspiele. In Minuten gelöst. Fordern mich kaum. Seit ich auch Hausbesuche bei schwerkranken Rechnern gegen entsprechende Honorare unternehme, ist mein Beruf, meine Berufung um einiges spannender geworden. Meinen Tarifstrukturen wegen werde ich in hochherrschaftliche Villen gerufen. In Penthäuser mit rund ums Dach führenden Pools. In Jagdschlösser, in denen Daten sich als Wild gebärden. Wild um sich schlagen. Beklagen kann ich mich nicht. Was für ein Unterschied gegenüber früheren telefonischen Anfragen. Dem Hörer-Genuschel, das kaum von meinen feinen Hörmuscheln zu entziffern war entkommen. Das erledigen jetzt Assistentinnen und Assistenten. Meist zu einem unsättigenden Gehalt als Praktikantenschaft von mir im jungen Markt geangelt. Schliesslich muss Lehrgeld wie früher für Kenntnisse und praktische Übungen bezahlt werden. Gerecht ist gerecht. Ich musste mir auf die harte Tour die Fähigkeiten beschaffen. Manche niedrige Lage dafür einkassieren. Von Niederlage mag ich nicht sprechen, denn Daten haben Ohren, was bestimmt bekannt ist und wenn nicht mit entsprechendem Datenschwund und Werbeüberschwemmungen zu bezahlen ist. Jedenfalls ist mein Gewissen rein so sauber wie eine Bergquelle, die munter, als sei sie ein Datenleck sprudelt. Das Niedrigdatenwasser, das nur dümpelt, überlasse ich dem Büroplebs, bade im Reichtum der Hausbesuche. Jeder ein kleines Vermögen einbringend, denn keine der Schönen und Wohlhabenden möchte, dass ihr Datenschmuddel öffentlich wird. Da muss jede Computerpanne, weil ans Eingemachte gehend, gleich behoben werden.
Heute werde ich einen besonders spannenden Tag erleben. Ein ehemaliger Spitzenpolitiker hat mich berufen. DRINGEND, die Überschrift des per Rennradboten überbrachten Eilschreibens. Ah, denke ich, ein toller Fang. Ein aus dem Rahmen fallender Hecht, in dessen Landsitz ich eingeladen bin, nein, beordert werde. Denn er ist sich mit den angehäuften Finanzmitteln gewohnt, dass seinen Befehlen unmittelbar Folge zu leisten sind. Ich nehme das Arztköfferchen zur Hand. Ärzten wird vertraut, deshalb habe ich mir dieses geleistet. Aus purem Leder. Leicht abgeschabt, um auf meine grosse Erfahrung hinzuweisen. Den Bentley aus der Garage holen. Ohne Fahrer. Denn diese haben Ohren. Würde dem Vertrauen schaden. Ortungsdienst einschalten. Man kann ja nie wissen, ob die Lage so heikel, dass ein ‚Verschwinden‘ nützlich würde. Klar nicht für mich. Für die Kundschaft! TOMTOM Adresse eingeben. Nicht GOOGLE, denn dort ist das Ziel gegen hohe Zahlung bestimmt verpixelt. Erreiche den Sitz. Livrierter Butler öffnet Wagenschlag. Schaut mitleidig, da kein Chauffeur. Werde am mächtigen Haustor vom Hausherrn persönlich in Empfang genommen. Muss sich um ein schwerwiegendes Problem handeln, schliesse ich daraus. Und bereits im Treppenhaus rückt er damit heraus. „Muss unbedingt ein RESET haben.“ Aha, denke ich, Staatsanwaltschaft bereits mit Durchsuchung und Rechner Beschlagnahme in Sicht. Fordere den Herrn auf, mich zum Computer zu führen. Sage das in vertraulich leisem Ton. Und er antwortet aufgeregt in hoher Ausdrucksweise: „Nein, kein RESET beim Rechner! BEI MIR BITTE! Ich muss resettet werden. Die Vergangenheit soll sofort und unmittelbar ins unbewusst Unbekannte verschwinden!“


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

R E S E T

Wenn nichts mehr geht
Alles im Argen kargt
Weder Bytes noch Mega
Mehr neues wagt
Zu Meta Gewittern sich
Die Welt erzwitschert.

Reset
Dann wetzt
Und bleckt
Zähne noch
Unbefleckt.

Kleckt mit seinem
Bissigen Gebiss frech
Tanzt dabei den neusten Stepp
Bis Sepp betroffen resettend teppt.




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