Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche
An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.
Im Archiv können Sie dann auch stöbern und "alte" Kurzgeschichten lesen und anhören oder hier kostenlos und werbefrei erhalten >>
Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :
DER TANNZAPFEN
Da liegt er plötzlich. Der Tannenzapfen. Einsam auf dem Weg. Weit ab von allen Tannenbäumen. Sehe ihn von Weitem. Liegt unbeweglich. Wie sollte er sich auch bewegen können. Er tut mir leid. Ein so unbewegliches Leben. Sinnlos, so weit weg von jeder Vermehrungsmöglichkeit. So distanziert vom Wald. Von fruchtbarer Erde. Denn der Weg ist betoniert. Statt urbar menschbar erschlossen. Autophil. Bikerphil. Und schon rast so ein Ratterding an mir vorbei. Nochmal gut gegangen, denke ich. Der Tannenzapfen liegt weiterhin unversehrt in der Mitte des Weges. Ein Nebenweg zwar, aber ist auch unser Leben ein Nebenweg? Eine Fahrbahn, an der so manches Ereignis gefahrvoll vorbeirattert? Sei es wie es sei. Der Tannenzapfen liegt noch immer da. Ich bücke mich trotz meines steifen Rückens, will ihn retten. Mitnehmen. Dem Wald zurückgeben. Doch der Tannenzapfen entwischt mir. Entwischt meinen doch selbst im Alter noch so flinken Händen. Ein Windstoss? Versuche es, indem ich niederknie. Trotz hartem Beton. Aber es liegt mir viel an Naturrettung.
Ich habe mir vorgenommen, einmal täglich einen Bückling vor wem auch immer hinzulegen. Nicht mich hinzulegen. Ideale Gelegenheit. Greife erneut nach ihm. Doch wieder schwuppt er mir aus der Fanghand. Das dritte Mal muss es gelingen. Lege mich beinahe vollständig hin. Ein entsetzliches Hupen. Ohrenbetäubend. Richte mich auf. Ein Traktor will Wegerecht. Zeige auf den Zapfen. Der Fahrer auf seine Stirn. Fährt los. Oh Himmel, es wird geschehen. Und futsch ist meine gute Tat. Doch trotz der Riesenreifen liegt das Ziel meines Rettungsversuchs noch unversehrt da. Obwohl ich sicher war, er werde die Durchfahrt der Maschine nicht überstehen. Bücke mich erneut.
Nein, das kann nicht sein. Der Tannenzapfen hat acht kleine Beine. Beginnt nun zu tanzen. Bossa Nova, scheint es mir. Öffnet seinen kleinen Mund am oberen Ende seines Körpers. Verzieht diesen zu einem satten Lächeln.
Bemerkt mit heiterer heller Stimme: “Habe mich mit Z verlobt! Ihn von A abgeluchst. Denn wer will schon von A - Z verbandelt sein, gefahrvoll zuvorderst stehen. Lieber tanzen! Tanzzapfen ist mein Name“, und eilt im Bossa Nova-Tanzschritt so schnell von dannen, den Tannen zu, die ihm weit entfernt den beglückenden Heimatruf mit einem lauen Wind zuwehen …
Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:
G E Z A P F T
Tapfer
Tannig aus
Dem Übervollen
Tief im Walde zapfen.
Tanzend wild im Moos
Sich räkelnd ranken
Dabei Nachwuchs
Zoffend hoffend.
Verspiesen
Dann im Magen
Landend alle Hoffnung
Aus leeren Händen fallen.
Die Wochengeschichte und/oder der Dreisatzroman können stets mit Quellenangabe (https://www.francois-loeb.com//kurzgeschichten-kostenlos-lesen/geschichten-erhalten/) auf Ihrer Homepage Ihrem Blog, oder der Vereinszeitschrift kostenlos aufgespielt werden!
Ich freue mich darüber!!