Kurzgeschichte der Woche

Approbation

Ich kämpfe seit Jahren, ja Jahrzehnten um meine Approbation. Kaum vorstellbar ein Leben so zu vertrödeln. Immer nur dieses eine Ziel vor Augen. Nein, nicht zur Probe approbieren. Sondern ganz und gar. Das Leben kann einem schon gar kochen bei diesem Ziel das stets vor Augen liegt aber nicht erreicht wird. Ähnlich einer Nordwand Erklimmung, einer unbestrittenen die man erklettern will damit diese einst den eigenen Namen tragen kann! Sie steht vor einem. Ragt auf. Und immer wieder der Versuch. Das Rucksackpacken. Das Steigeisen schleifen. Die Seilkontrolle. Die durchtrainierten Hände noch einmal richtig bewegen. Die Beinmuskulatur ins Spiel bringen. Und dann ist das Wetter bewölkt. Ein Gewitter droht. Der Mut verlässt mich. Ein erneuter gescheiterter Versuch die Approbation zu erhalten. Aufreibend ist das. Verheerend, wenn das wie bei mir bereits über beinahe zwei Jahrzehnte so geht. Und die Kraft lässt nach. Aber nicht mein Ziel.

Stets habe ich es vor Augen! Will endlich, endlich die Approbation erhalten. Nun, meine Freunde behaupten ich sei dickköpfig. Ja gar stur. Ganz Unrecht haben sie nicht. Aber was kann ein Mensch gegen seine Gefühle ankämpfen ohne sich selbst zu zerstören. Was sein muss muss sein. Die Seele muss ihren Frieden finden. Selbst Doktor Faustus konnte dies nicht verhindern. Opferte seinem Ziel alles. Selbst sein Leben. Da bin ich ein Bonsai Faust mit meiner Sehnsucht. Der Sehnsucht die erfüllt werden muss. Nicht durch Rucksackpacken. Eispickel schleifen, oder waren es die Steigeisen? Nicht, dass ich an einem Wort aufgehängt werde. Erhängt. Obwohl ich mich mit den Jahren meiner Leiden bereits bald so zu fühlen vermeine.

Nein, die Leidensvermeidung wäre falsch. Grundfalsch. Ich habe weiter zu kämpfen. Alles aufs Spiel zu setzen. Wie Richard der Erste. Oder der Zweite. Shakespeare brachte es auf den Punkt: EIN PFERD, EIN PFERD, EIN KÖNIGREICH FÜR EIN PFERD. Besitze aber weder das Eine noch das Andere. Muss meine Mittel einsetzen. Üben. Mich bemühen. Meinen Charme benutzen. Meinen Witz. Meine Intelligenz. Alles was ich besitze. Nur so kann ich sie erobern. Meine große Liebe. Mein Ideal. Um die ich seit so langer Zeit buhle. Auch wenn es nur ein Bild ist das ich verehre. Ein Abbild. Das Gemälde von Rubens. Das im städtischen Museum hängt und das ich so über alles besitzen will und nicht erreichbar ist …
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sterben will ich und auch die Hoffnung NICHT!




Dreisatzroman der Woche

L E B E N S S C H I E N E

Verankert auf dem Schotter, immer strikt gerade aus, liegt die Schiene voller Hoffnung, denkt wohin ich führen mag.

Roter Rost und dann auch Weichen, welche in die weite lenken dann die einen, zum Prellbock dann die zweiten.

Weiter, weiter, ruft das Leben, weiter schweife in die Ferne, hebe ab und steig hinauf zum Himmelszelt, versinke dann im Lebensmeer, ach wie liebe ich das Unbekannte immer mehr...!




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"Approbation" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:





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