Kurzgeschichte der Woche

Eloquenz

‚IHR TRAUMJOB! EINZIGE ANFORDERUNG ELOQUENZ! Bei Interesse bitte bei der Agentur YES WE CAN , Bierhügelstrasse 37 - 48 melden. Gute Bezahlung, flexible Arbeitszeiten, 1a Betriebsklima! Vorbeikommen! Lebens-Lauf nicht vergessen. 1a Ausrüstung wird gestellt!‘
Gut habe ich die Zeitung bereits beim Baguette holen, eine tägliche Morgenpflicht mit meinem vierbeinigen Gefährten, um 0645. erworben. Einzig stört mich täglich, dass er draussen verharren muss. Nicht mit eintreten darf in das Paradies der Frühmorgen Gerüche die so anregend wirken. Er hat sich an das Vordertür Stehen gewohnt, wie ich mich an die Jobsuche und die Absagebriefe mental eingerichtet habe und mich an den Stilunterschieden der Schreiben gütlich tue. Wundervoll diese zu analysieren. Einfach herrlich! Oder fraulich, denn ich bin um Political Correctness bemüht. War es stets. Also von wir bedauern, über: Leider haben wir bereits eine andere Wahl getroffen, bis hin zu: Sie genügen leider nicht den An…, ja welchen An …, ich fordere doch nicht. Bücher könnte ich über die Absagebriefe schreiben. Aber da höre ich mir lieber die Ansagen in den Jobbörsen an. Die bringen mich weiter. Also, nicht dass sie davon ausgehen ich sei Joblos. Ganz im Gegenteil, meine Arbeit ist die Arbeitssuche. Die Analyse der Suche und nicht das Finden. Es ist ja wie bei der Vorfreude. Die ist am Größten. Größer als die Freude selbst. So ist es bei der Suche. Wahre Delikatessen verstecken sich da. Leckerbissen. Und heute bin ich einer solchen auf der Spur. Garantiert. Das sagt mir bereits mein Bauchgefühl. Und das ist bei dieser Aufgabe der ich mich stelle entscheidend. Die Auswahl.

Denn wer die Wahl hat, hat die Qual. Und Quälen? Nein, danke. So gehe ich selektiv vor. Ein Blick, beim Schlange Stehen in der Bäckerei, denn ich bin nicht der einzige der früh zur Arbeit gehen muss, auf die Seiten der offenen Stellen im hinteren Teil des Presseerzeugnisses dem ich im Abonnement verpflichtet bin (Berufsauslagen die ich von der Steuer absetzen kann), genügt, denn mit meinem fotographischen Gedächtnis kann ich Spreu von Heu, oh, nein Spreu vom Hafer, in Sekunden unterscheiden. Spannendes von Langweiligem trennen. Aussichtsreiches vom Nichtverfolgenmüssendes. Und natürlich muss der Blick auf die Stellenangebote diskret erfolgen, denn in der Wartelinie könnten die Schlangenkollegenschaft (oh, geschafft, Geschlechtsneutral!) falsche Schlüsse ziehen. Denken ich sei unzufrieden mit meiner jetzigen Berufsaufgabe. Und das ist nun wirklich nicht der Fall. Hoch glücklich bin ich und nicht fallend! Nicht am Boden zerstört. Freue mich, wie ein wedelnder Hund der vor seinem Futternapf steht, auf diesen Vormittag. Auf den kommenden Gang der Dinge. Bin überzeugt, dass das ein mentales Fressen wird. Mit einem Absagebrief der sich gelackt hat. Oder gefressen hat? Spielt keine Rolle

Denn eines bin ich, eloquent. Habe nichts zu befürchten! Werde hingehen. Nach dem Gespräch meine Spesenabrechnung einreichen. Und von diesen, die ich immer einreiche, die Anfahrt, die Abfahrt, die Verpflegung, Taxikosten und was da alles noch anfällt, lebe ich beinahe fürstlich. Jedenfalls zur täglichen Baguette reicht es locker. Und dann zu einem Absagebrief der sich, jetzt erinnere ich mich, gewaschen hat. So lautet doch der Ausdruck? Gewaschene Absagebriefe welch hervorragende Delikatesse! In die Waschmaschine damit. Oder besser in den Geschirrspüler. Kommt aufs selbe. Schmiere ihn dann als Belag auf die Baguette. Einfach Köstlich! Doppelt gestrichen noch besser. Ich muss los. An die Bierhübelstrasse 37 - 48! Wenn sich da nur zwischen 37 bis 48 kein Graben auftut der mich samt Lebens Lauf verschluckt. Doch das Leben und das Laufen sind Lebens- und Laufgefäh ...




Dreisatzroman der Woche

D E R  H A S E  I M  G L A S E

Der Hase wachte des Morgens auf im Glase, gleißte erstaunt in seine neue Welt, welche nicht roch und doch so strahlend hell erglänzte unter dem Himmelszelt.

Die Gräser lagen lecker da, voller Saft doch ohne der Gerüche Kraft.

Wagen wagen, nicht verzagen, sagte sich der Has und biss ins gläsern durchsichtig Gras.




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"Eloquenz" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:





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Aus: Geschichten die der Bahnhof schrieb

Kalt ist es heute, eisig kalt. Der Wind bläst über die Geleise und lässt alles frieren, selbst die Eisblüten an den Fenstern haben es kalt. Sie träumen von den Zeiten, in denen sie geboren wurden. Mühsam bahnen sich die Züge ihren Weg, Verspätungen sind angesagt und durch die Lautsprecher scheppern die Botschaften durch die Halle...

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Kurzgeschichte der Woche

Eisige Winde

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