Kurzgeschichte der Woche

Worte Verlieren

„Es ist zum Verzweifeln! Mein Klassenlehrer sagte mir heute zum Ende der Deutschstunde ich hätte Worte verloren! Viele Worte! Welche Worte? Wo soll ich nur suchen. Wie das Wiederfinden der Worte organisieren? Ja, hätte ich mein Handy verloren, ich wüsste wie ich vorzugehen hätte um es wiederzufinden. Da gibt es doch eine entsprechende Suchfunktion. Unter Icloud. Ja, ich habe das Kästchen auf grün gestellt. Aber Worte? Finde ich eine entsprechende Einstellung? Finde keine. Worte suchen. Auf Google. Nein, ich will nicht Scrabble spielen. Auch nicht Kreuzworträtsel lösen. Will meine verlorenen Worte finden. Worte die mein Lehrer heute Mittag als verloren gemeldet hat. Ich setze mich an meinen Schreibtisch. Habe einen Espresso gebraut. Wie das riecht! Wird helfen meine Hirnwindungen in Fahrt zu bringen. Zu stimulieren.

Doch wo suchen? Finde im Netz keine Antwort die mir weiterhelfen kann. Doch! Genial! Wenn ich einzig das Wort ‚suchen‘ eingebe erscheint in dreiundzwanzigster Position FUNDBÜRO! Heureka! Öffnungszeit? Bis 17 h und jetzt ist Viertel vor Fünf! Los ich eile. Renne. Es sind drei Straßenzüge bis zum Rathaus in dem das Städtische Fundbüro beheimatet ist. Wenn ich doch nur noch pünktlich dort sein kann. Denn ohne die verlorenen Worte die Nacht verbringen? Ein Albtraum! Im Traum zu suchen! Nein, das würde mir den Schlaf rauben. Von Worträubern entführt. Worträuber? Nicht verloren? Geraubt? Hat der Lehrer mir das verschwiegen. Bin außer Atem. Komme im Rathaus an. Suche auf der Info-Tafel. Fünfter Stock, Raum 24. Eile die Treppe hoch. Gut, dass ich dank dem täglichen Sport und meinem Korbballteam in guter Verfassung bin.

Worte im Korb verloren? Hineingespickt, ins Bodenlose gefallen? Die Zunge hängt mir aus dem Hals. Noch drei Minuten! 16.57 h. Außer Atem erreiche ich den Raum 24. Öffne die Türe. Heisere Worte fliegen mir entgegen: „Wir schließen in 1,5 Minuten“.
Auch das verlorene Worte?
„Ich suche meine verlorenen Worte. Heute Mittag vermisst. Haben Sie diese gefunden?“
Ein meckerndes Lächeln ertönt dem Worte hinterherhecheln: „Ach, Milliarden verlorene Worte, die finden Sie nicht hier, die schweben nutzlos in der Luft, vibrieren in der Kehle der Unendlichkeit und täglich vermehren diese sich wie Karnickel...“




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Zwei Kommentare zu dieser Kurzgeschichte:

Am 15. März 2019 schrieb R.E.:

"Meine Frau hat auch schon viele Worte verloren weil: Sie ist Philippinin, lebte 20 Jahre in der Schweiz, und lernte dort die Deutsche Sprache. Jetzt leben wir seit 5 1/2 Jahren in den Philippinen. Da bin ich der einzige mit dem sie Deutsch spricht!"

Dazu François Loeb:
'Dieser Kommentar freut mich besonders, meine Wochengeschichten wachsen Flügel dass diese so weit fliegen!'

Ebenfalls Am 15. März 2019 schrieb ein anonymer Leser:

"Immer sehr gute Geschichten. Auch die Kurzgeschichte dieser Woche! Danke!"




"Worte Verlieren" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:





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