Kurzgeschichte der Woche

Unter dem Hammer

Am Küchentisch als kleiner Junge hörte ich meine Eltern oft bemerken: “Wenn es nicht besser wird kommen wir unter den Hammer.” Als ich mich dann getraute, meine Eltern sahen bei diesen Worten stets so sorgenvoll aus dass ich beinahe ein Jahr allen Mut zusammen nehmen musste, nachzufragen was diese Worte zu bedeuten hätten wurden beide böse. Die Antwort löste bei mir Frust aus, denn mir wurde bedeutet das sei eine Angelegenheit für Erwachsene. Ich solle zuerst wachsen bevor ich mich mit solchen unerfreulichen Angelegenheiten befassen könne. Und dieses Wachsen vollzog sich viel zu langsam, ich konnte das Erwachsenwerden kaum erwarten. Stellte mir Nachts im Bett liegend einen immensen Hammer vor unter den ich geraten könne wie unter einen Zug, nur bedeutend heftiger. Er würde mich zermalmen, nichts, auch gar nichts von mir übrig lassen. Eine schreckliche Vorstellung die mich noch in meine Träume verfolgte, in denen der Hammer nicht nur mich, sondern unser kleines Häuschen, meine Heimat zertrümmerte, um dann das ganze Dorf zu erfassen in dem wir wohnten, samt Schule, Kindergarten und Metzgerei in die ich so gerne mit meiner Mutter einkaufte, bekam ich doch dort jedes Mal ein Rädchen Wurst auf das ich unter keinen Umständen verzichten wollte. Also zumindest die Metzgerei hatte der Hammer zu verschonen betete ich heimlich jeden Abend wenn Mutter mir ganz andere Worte vorgab.

Eines Morgens, ich war gerade sieben Jahre geworden, tönte bereits um sieben Uhr früh die Hausglocke. Riss mich aus dem Schlaf. Der Gong klang aufrüttelnd. Wiederholte sich drei Mal in rascher Folge. Ich hörte meine Mutter mit Entsetzen in der Stimme aus der Küche rufen:” Jetzt ist es so weit!”. Voller Angst verkroch ich mich unter das Federbett, hoffte dass dieses den Schlag des Hammers abfedern würde, denn für was sonst war es damit gefüllt. Meine Gedanken konzentrierte ich dann auf die Metzgerei um diese zu schützen. Da vernahm ich schwere Schritte die durch das Haus schritten und dann die Treppe zu den Schlafzimmern nahmen. Ich begann am ganzen Leib zu zittern, überlegte ob nicht im Inneren des Federbetts meine Rettung liegen könnte. Kroch dann in dieses hinein, nachdem ich die Naht die die Federpracht zusammenhielt aufriss und die befreiten Federn ihrer alten Aufgabe dem Fliegen sich mit großer Hingabe ergaben. Mein Zimmerchen taucht dadurch ins Weiß, ich öffnete darauf das Fensterchen um klar Luft zu erreichen, doch der Windzug der die Federn traf gestaltete das entstandene Chaos nur noch wilder.

Und da kamen die schweren Schritte näher, etwas polterte gegen meine Türe, die Klinke bewegte sich nach unten, ich fühlte wie die Angst sich meiner Blase bemächtigte und das Unglück, das mich in Tränen ausbrechen ließ, geschah. Ich schämte mich unendlich in diesem Zustand dem Hammer zu begegnen, von diesem so beschmutzt zermalmt zu werden um anschließend in diesem Zustand in den Himmel zu treten. Da öffnete sich die Türe und zwei Männer, ich hatte mich unter mein Bett gelegt um vom Hammer nicht gefunden zu werden, traten ein, trugen einen schweren Gegenstand, ich konnte nicht sehen um was es sich handelte, dachte bereits es könne mein kleiner Sarg sein, ins Zimmer. Und … mir stockte Herz und Atem, begann ein Hammer überlaut zu klopfen. Entwickelte einen fürchterlichen Lärm. Da vernahm ich die Stimme meines Vaters: “Der Kleine wird sich bestimmt über dieses Landschaftsbild des Urner-Sees das sein Onkel für ihn malte, sehr freuen! In ihm wird er spazieren und seine Albträume darob vergessen können.”




Aus:
François Loeb’s
Sprichwort
SchüttelBecher
Weis-heiten des 21. Jahrhunderts

Stufen auf die
Erbsen streuen




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"Unter dem Hammer" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:





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