kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.

Im Archiv können Sie dann auch stöbern und "alte" Kurzgeschichten lesen und anhören.

Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :

App-Store

Ich liebe es mich morgens um 04.30 im App Store, sozusagen in der Loge einzuloggen. Obwohl ich von Natur aus kein Frühaufsteher, eher eine Eule bin. Doch die neuesten App verpassen? Nein, das darf ich nicht riskieren. Könnte möglicherweise bereits ausverkauft sein. Oder vom Netz genommen. Aus was für Gründen auch immer.

Auch heute melodiert meine Weckuhr um 04.25. Ein Sprung aus dem Bett die Folge. Rechner einschalten. Darauf hoffend, dass er keine Fisimatenten aufführt.
In den App Store hüpfen! Das alles mit schweren Beinen und einem übergewichtigen Schädel. Folge des gestrigen Freundesabends, an dem ein Bierchen zu viel die Kehle umschmeichelte. Nach dem Storebesuch unbedingt nach Linderungsmitteln suchen. Sicherheitshalber auf dem Notizblock als Pendenz notieren, damit dieser Wunsch nicht in die Vergessenheitsgrube fällt, die ich mir selbst durch mein euliges Verhalten gegraben habe. Doch jetzt volle Konzentration auf App Neuheiten.

Werde sofort fündig. In Regenbogenfarbenfülle wird die neue PromenierApp angeboten. Vollkommen kostenlos. Und werbefrei! Hey, da heisst es zugreifen. Insbesondere, dass auf die limitierte lieferbare Menge hingewiesen wird. ‚NOCH 3 AUF LAGER‘. In Grossbuchstaben! Zugreifen. Aber subito rufen meine beiden Daumen taddelwütend im synchronisierten Chor.

Und schon ist sie heruntergeladen, die neue App, die schlank und mit einem Emoji Lächeln daherkommt und mich auffordert, unmittelbar loszulegen. Meine Accessoires zu erwerben. Zutaten also wie mir die Duden App gleich übersetzt. "Ohne Schwanz bist du sonst blind, kannst nicht interagieren, wenn du navigierst." Unverschämt denke ich. Du kleingeschrieben! Werde die App zur Anstandsapp in den Nachhilfeunterricht senden. Doch zuvor kaufen. Sogleich erscheint ein grosses DANKE mit dem Zusatz: "Wenn deine App nicht verhungern soll, sofort Nahrung besorgen. Fette Apps lieben die PromenierApp, denn schliesslich ist sie Biteverwandt mit den Prominenten.
Pass zudem auf keinerlei Schadensersatzansprüche auszulösen. Da empfehlen wir dir den Maulkorb als Gadget zu erwerben. Hilft zu 99,999 % garantiert!".

Also auch da zugreifen. Bereits ein kleines Vermögen ausgegeben. Mein Wochentaschengeld auf den Kopf gehauen. Keine Mittel mehr für weitere Zusätze. Lege mich erneut aufs Ohr. Schlafe gleich ein.
Werde unsanft geschüttelt. Es ist die PromenierApp. Sie verlangt, spazieren geführt zu werden. Und zwar sofort und unmittelbar.

Reibe mir die Augen. In die Baskets schlüpfen. Windjacke überziehen. Losmarschieren. Handy in der Hand. Das fährt jetzt dank der neuen App seinen Schwanz aus. Geringelt blau und weiss. Süss sieht das aus! Unterwegs zahlreiche Spaziergänger. Alle aufs Handy starrend. Überall ein ausgefahrener Handy-Schwanz, der fröhlich wedelt. Analog derer der Hunde, die von ihren Meistern zum Morgenspaziergang samt Smartphone ausgeführt werden. Mein Handy knurrt jetzt böse. Habe doch kein Knurr-Zubehör erworben! Bekomme eine SMS, dass dieses Accessoire ein Treuegeschenk.

Ein Rudel von Handys stürzt sich jetzt auf mich. Keines mit Maulkorb. Nur das meine, das sich dadurch nicht mehr wehren kann. Abnehmen lässt sich das Ding nicht. So endet mein Smartding im ungleichen Kampf. Wird in seine Stücke zerlegt. Wedelt dabei bis zum Ende immer noch purlemunter. Muss masochistische Anlagen in sich tragen. Sein letzter Seufzer: "Am falschen Ort nicht gespart", mault es dabei.
Nun spaziere ich verloren weiter. Ein Looser. Denn ohne Handy lande ich in der Social-Media Wüste, in der soziales Verdursten die einzig mögliche Zukunft darstellt.

So dachte ich bis Martinas Herz nach diesem tragischen Vorfall in mein Leben trat.
Mich in ihren so faszienierenden Bann zieht.
Mir das wahre Leben öffnet.
Ich keine Träne meinem maulend untergegangenen Handy mehr nachweine.
Meinen melodierenden Wecker ein für alle Mal zum Schweigen brachte. Denn wer will eine romantische Nacht um 04.30 unterbrechen.
Ich jedenfalls nie mehr.
Lebe jetzt endlich …


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

Ä P P E R L A P A P P

Aufgepäppelt
Dabei veräppelt
Zappelnd ungeduldig
Darauf nach dem Neusten
Nerven stimulierend tappend.

Im Store
Endlos mit
Glück buhlend
Umher taddelnd
Dabei Daten Gruben
Fallen fallend erwandern.

Bing
Der Sinn
Win Win Win
In der linken Hand
Ganz schlicht zerrinnt.




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