Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche
An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.
Im Archiv können Sie dann auch stöbern und "alte" Kurzgeschichten lesen und anhören oder hier kostenlos und werbefrei erhalten >>
Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :
Selbstredend
Ich bin ein fleissiger Zeitungsleser, habe insgesamt zwei Tageszeitungen abonniert. Das ist eine happige Kostenfolge, die mein Haushaltsbudget belastet, aber wenn ich hingehe und die Kosten dann auf den Buchstaben umlege, ist das enorm günstig. Die Mathematik löst beinahe alle Probleme.
Dabei dann auch immer up-to-date zu sein, zu wissen, was läuft in Politik, in Kultur, im Sport, in dem, was interessiert, und auch in der Leserbriefseite, immer erneut zu entdecken, was die Leserinnen und Leser denken. Eigentlich sind die beiden Abonnements eine sehr kostengünstige und effektiv angelegte Investition in meine Zukunft.
Besonders jedoch auch, weil ich Ende der Woche alle Ausgaben meinem Großvater übergebe, hinbringe in sein Heim und weiss, dass für ihn, für seine geistige Beweglichkeit diese Informationen von entscheidender Bedeutung sind. Ob sie heute betreffen oder die letzte Woche, spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist, dass Opa immer wieder im Takt mit seiner Umwelt ist, mit dem, was geschieht, auch wenn die Informationen verspätet zu ihm gelangen. Also nicht tagesfrisch. Doch Nachrichten verderben nicht innerhalb weniger Tage, beginnen nicht übel zu riechen. Obwohl, Gestank verströmen können sie schon, nämlich dann, wenn sie überholt sind. Das Über geht dann leicht über wie Milch, die aufkocht, überschäumt und dann einen Geruch von sich gibt, der die Nasenrezeptoren nicht erfreuen kann.
Nun lese ich heute auf der Politikseite von einer neu gegründeten Partei und deren Exponenten, die betonen, dass eine Tatsache selbstredend sei. Da komme ich zum Schluss, dass es nun auch die Politik erwischt hat, die Politiker. Sie haben, so bin ich überzeugt, selbstredend jetzt eine App entdeckt, in der sie nicht denken müssen und sich nicht mehr überlegen, was sie sagen wollen, sondern alles automatisch selbstredend vor sich geht.
Wie das wohl funktioniert, dieses ‘selbstredend’? Läuft das ähnlich ab wie KI? Das könnte doch so sein und schlussendlich, so vermute ich, wesentlich besser sein als das, was sonst Politiker jeweils unter Berücksichtigung ihrer Wählergruppen von sich geben. Selbstredend, so folgere ich, dass eine neue Ära begonnen hat.
Analog zur künstlichen Intelligenz, die so zahlreiche Arbeitsstellen infrage stellt, etwas ganz Neues ins Leben treten lässt. Kann die Selbstrede-App die Politik umkrempeln? Dazu führen, dass alles Politische selbstredend wird und die Lösungen selbstredend daherkommen werden? Niemand mehr sich überlegen muss, wie es weitergeht. Die größten Probleme sich selbstredend lösen. Uns erlösen?
Ja, in welch eine wunderschöne Zukunft wir da hineinschlittern können. Ja, schlittern, denn alles wird auf eisiger Fläche geschehen. Immer schneller, immer rascher. Immer rasanter. So wie wir die technischen Entwicklungen in den letzten Jahren erleben. Erfahren. Doch diesmal in Potenz, in Überschallgeschwindigkeit wird die Politik sich selbstredend entwickeln.
Spannend, was da geschehen wird, welche neuen Entwicklungen sich selbstredend ergeben werden. Ist das unsere Zukunft? Die Zukunft der selbstredenden neuen Welt, in der es uns selbstredend die eigene Sprache verschlagen wird?
Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:
R E D E N
Reden
Reden bis
Die Zeilen beben.
Beben beben ob des unmässig
Vielen überlauten Redens
Bis die Laute übellaunig
Knallig platzen.
Reden schwingen
Statt wohlgetöntes singen
Kein Verstehen mehr bitte sehr
Alle wunderbar geformte Worte gänzlich leer.
Geschrieben von François Loeb, Schweizer Schriftsteller. Weitere Geschichten finden Sie auf der Archivseite >> und hier sind alle Dreisatzromane >> aufgeführt.
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Freue mich darüber sehr!