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Die Auktion

Das Auktionshaus X, ich darf den Namen aus Gründen des Verbots von Werbung die mir auferlegt wurde nicht nennen, ist immer für eine Überraschung gut! Kreative Köpfe leiten sie. Wie kann es auch anders sein wenn sich jemand mit moderner Kunst befasst. So war ich sehr gespannt seitdem die Überraschungsauktionseinladung für den nächsten Samstag bei mir eingetroffen ist. Ich nahm mir fest vor daran teilzunehmen. Und natürlich auch mitzubieten. Dies besonders da immer wieder sogenannte Blindlots ausgerufen werden, bei denen nicht bekannt ist was diese beinhalten. Es kann ein Kilo Gold sein, welche Glückspilzin wird ein solches Angebot für einen Appel und ein Ei (also der Apple hat nichts mit dem Computerhersteller zu tun, keine versteckte Werbung, obwohl auch bereits mit Macbooks, Ipads, Iphones der neuesten Generation sich in einem Blindlot wiederfanden) nach Hause, oder ins Feriendomizil tragen konnten. Ich gebe zu, dass die Aufregung mich bereits am Donnerstagabend erfasste, dies umso mehr als ich beim Mittagsschlaf den ich täglich abhalte, (dieser soll der Verjüngung dienen, stellte eine Forschergruppe vor einigen Monaten fest da ja auch Steinzeitmenschen, kaum alterten, weil Steine dies erfahrungsgemäß nicht zu tun pflegen), träumte ein Blindlot ersteigert zu haben und in diesem sich mein Herzenswunsch, ein lieber Mann befand.

Natürlich wusste ich gleich, dass Träume Schäume seien, aber ein gutes Omen fand ich das Geträumte, zeigte es mir doch, dass ich am Samstag unbedingt auf das Blindlot setzen musste. Ich hoffte an diesem Donnerstagabend nur, dass keine Konkurrenz beim Bieten sich einstellen möge, sodass ich beim Ausrufpreis, und diesen setzte das Auktionshaus fairerweise in der Regel nicht zu hoch an, um große Enttäuschungen zu vermeiden und durch von Mund zu Mund Flüsterpropaganda in der Presse zu punkten. Endlich ist es soweit. Samstag 14 h soll die Auktion über die Bühne gehen. Bereits um 13.30, bei der Türöffnung, stehe ich da um einen hervorragenden Platz in der ersten Reihe zu ergattern, bei dem kein so kleines Zeichen des Auktionators übersehen werden kann und dieser, eine auch wenn nur mit dem Zeigefinger erfolgten, kurzen Zeichengebung erkennt und dieses Gebot damit zum offenen Hammer gelangt. Den Platz habe ich mir gesichert. Beobachte all die Interessenten. Jeder hält wie ich ein Ziffernplakätchen in der Hand, um damit seine Identität zu enthüllen. Die Auktion beginnt. Möbel, Schmuck, alte Bücher, Antiquitäten gehen über den Auktionarstisch. Am Telefon wird fleißig mitgeboten. Auch im Internet steigern Interessenten mit.

Und jetzt kommt der große Augenblick: Das BLINDLOT wird mit vielen farbigen Worten ausgerufen. Die Spannung im Saal ist zum Bersten fühlbar. Mein Zeigefinger zittert, obwohl er als Bieter zum Einsatz kommen soll. Da, ich hätte es nicht gedacht, es bieten einige Dutzend mit. Der Auktionator kommt mit den gesteigerten Werten im Ausruf kaum nach. Mein Finger sticht permanent zu. Die Chance will ich mir nicht entgehen lassen. Sehe vor meinem geistigen Auge bereits das Gold. An den lieben Mann glaube ich trotz der Anspannung nicht. Lege diesen als Schimäre ins Nirwana meiner Gedanken ab. Da! Ich habe den Zuschlag! Oh, wie bin ich von Glück erfüllt! Endlich habe ich es geschafft. Mein Leben wird eine Wende nehmen. Davon bin ich fest überzeugt! Jetzt wird der Auktionator den Inhalt verkünden: „Im Blindlot lag heute der Gutschein für eine LÜGE die überall eingesetzt werden kann. Lügen sind heute ja sehr gefragt. Gold wert“, posaunt er lauthals aus.

Und ich setze diese Lüge gleich für diese Wochengeschichte ein …




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