Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche
An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.
Im Archiv können Sie dann auch stöbern und "alte" Kurzgeschichten lesen und anhören oder hier kostenlos und werbefrei erhalten >>
Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :
Ei-Ver-Such-T
Ein ganz normal mit Zwiebelschalen eingefärbtes Osterei sass auf einem bequemen, weichen Moosbett am Wochenmarkt, umgeben von bunt gefärbten Eiern, träumte in buntesten Farben vor sich hin, in der Welt zu stehen, Kinder und Kindeskinder bunt zu erfreuen, immer erneut von Ohhs und Ahhs bewundert zu werden. Sich in der Anerkennung sonnen zu dürfen. Beneidet von allen Geschwistern, die es umgaben. Doch jeden Abend beim Einfallen der dunklen Nacht verflogen all diese Halluzinationen auf einen Schlag. Schmerzvoll erkannte unser Ei, dass alle anderen Nestinsassen sich von ihm abwandten, es nicht nur der Farblosigkeit wegen mieden, nein, auch der Zwiebelgeruch, den es lustlos verströmte, störte die bunte Schar. Zudem stellte unser Ei, das wir begleiten, fest, dass neben ihm immer weniger bunte Geschwister auf dem moosweichen Bett lagen, einzeln aus ihrem Ruhebett verschwanden. Einer, so nahm unser Begleit-Ei an, herrlichen Zukunft in bunter Farbe entgegen schweben durften. Am nächsten frühen Morgen, bei den ersten Sonnenstrahlen, die es erreichten, begann das Ei zu sinnieren. Vertiefte sich in die Bezeichnung Osterei, die es links und rechts, oben und unten vernahm. Begann im Eikipedia-Lexikon nachzuforschen. Wollte wie seine bunten Geschwister auch aus seinem Bett gefischt, sich auf herrlichste Eier-Wanderschaft begeben, von Kindern gesucht und gefunden werden. Einzig wichtig war dem Ei für seine Zukunft, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Aufzufallen mit seiner Zwiebelfarbe. Aus dem Marktnest ausgewählt zu werden, dieses endlich zu verlassen.
Doch wie so oft im Leben, auch in jenem unseres Eis, werden Träume nicht wahr. Bleiben traurig und voller Sehnsucht im WAR.
Als es sich dann eierseelenallein, immer noch Zwiebelduft verströmend und im Nest von seiner intakten Eierschale gut geschützt wiederfand, erfuhr es aus Gesprächen der Marktbeschicker, dass es als einziges Osterei noch am Leben war, alle anderen Nestgeschwister zwischenzeitlich gefunden und aufgeklopft ihrer bunten Schale und des farbigen Lebens beraubt im Nichts entschwunden waren und seine es so beschäftigende Ei-Ver-Such-T vollkommen fehl am Platz gewesen war und, leider sehr wahr, ihm einen Teil seiner Lebensfreude gestohlen hat.
Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:
E I - L E
Weil
Das Seil
Der Eile kurz
Zerbröselt es
In Langsamkeit.
Die rasche Welle
Zerschellt sehr
Schnell.
An der Zähigkeit
Der Tempolosigkeit
Die gewinnt mit der Zeit.
Geschrieben von François Loeb, Schweizer Schriftsteller. Weitere Geschichten finden Sie auf der Archivseite >> und hier sind alle Dreisatzromane >> aufgeführt.
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