kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

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Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :

Fällig

Mein Atelier:

Ich bin Kunstmaler und Dichter, Schriftsteller, alles in einem. Mein Kopf explodiert vor Kreativität. Eine Idee nach der anderen kreuzt sich, will in den Ausgang, will die Welt erobern, will zeigen, wo der Trend hinführt.

Vor meinem Atelier, damit ich genügend Licht habe, strahlt eine grosse Glasscheibe mit der Sonne, falls diese scheint, um die Wette. Als ich heute Morgen zu meiner Arbeitsstätte, meinem Atelier, komme, ist mit grossen roten Lettern der Text ‘fällig’ auf die Scheibe gesprayt. Was soll denn das?

Ich hole gleich einen Lappen, versuche dieses Wort „fällig“, das mir gar nicht gefällt, zu entfernen. Doch es sträubt sich. Selbst mit Aceton kriege ich es nicht weg und mit Fensterreiniger auch nicht. Die Buchstaben stehen in sich ruhend einfach da. Was soll das? Was bedeutet fällig?

Ich weiss, zahlreiche Rechnungen, die ich erhalte, wandern stante pede in den runden Ordner, den ich alle zwei Wochen mit der Papierabfuhrtonne rollend entsorge oder besser ausgedrückt endsorge. Meine Einnahmen sind sehr gering, denn ich werde auf dem Markt nicht geschätzt. Heute nicht. Eines Tages, in 100 Jahren, jedoch bestimmt. Werden dann die Fälligen mit meinen Kunstwerken belohnt? Doch jetzt? Nein, keinen Deut sehnt sich jemand danach.

Da ist es doch so: Wenn die Rechnungen einfach in den Briefkasten plumpsen, lautselig und nicht leutselig, doch seelenlos reinfallen, werden sie sehr rasch zahl-bar und ich kann sie nicht begleichen. Dann werden sie fällig, rasch fällig. Fällig ist ein echt hässliches Wort.

Wer hat das aufgesprüht? Einer meiner Gläubiger? Jemand, der Geld von mir eintreiben und zeigen will, dass er sich nicht mit Papierkram befasst, sondern eine kreative Idee entwickelt, so wie ich solche in meinem Kopf nicht nur entwickle, sondern mit Pauken und Trompeten herausposaune?

Fällig. Bin ich fällig? Für wen bin ich fällig? War in der Nacht der Gevatter Dreipünktchen hier und hat das auf die Scheibe gesprüht, um mich einzufordern? Fällig für ihn, den Gevatter? Nein, das kann nicht sein. Da bin ich doch noch viel zu jung und zu kreativ, habe noch so viel zur Entwicklung unseres Globus beizutragen, den Weg aufzuzeigen, den zukünftigen Weg in die Unendlichkeit bis hin in die Endlichkeit zu weisen.

Rückwärts. Läuft für mich die Zeit nicht zufällig in diese Un-Richtung? Fällig für das grosse Fallen. Entfällt meine Kreativität, da diese nicht gefällt, niemandem einen Gefallen, keine pekuniären Vorteile bietet, deshalb fällig ist, gefällt werden muss, als sei diese ein kranker Baumriese …



Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

F Ä L L I G

Gefällig
Wann wird
Dieses Wort 
Erneut für alle
Auch der Politik
Unausweichlich fällig.

Wohl nicht heute
Eher morgen
Oder doch
Leidens
Leider
Nie.

Menschen
Wesensmacht
Gehabe weist Weg
In Diretissima zu tiefem
Unendlich Weltraumgraben.



Geschrieben von François Loeb, Schweizer Schriftsteller. Weitere Geschichten finden Sie auf der Archivseite >> und hier sind alle Dreisatzromane >> aufgeführt.


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"Fällig" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:







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