kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

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Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :

Frisch gestrichen

‚ACHTUNG FRISCH GESTRICHEN‘, so oft begegnet mir dieses Schild. Verheisst nichts Gutes. Ich könnte mich dabei bekleckern. Meine Kleidung ruinieren. Meine besten Stücke, die ich so gern spazieren führe. Mit denen ich beeindrucken kann. ‚Kleider machen Leute‘ lautet das Sprichwort nicht umsonst. Also ist Hypervorsicht angesagt, wenn ich auf ein solches Schild stosse. Obwohl dieses auch Gutes versprechen kann. Dann, wenn die Trocknung erfolgt ist, die Farbe sich in trockenen Tüchern befindet. Alles neu erstrahlt. Eine Weide für die Augen darstellt. Auf lange Dauer darstellen wird.

So erstarre ich zuerst, als ich den fett gedruckten Leitartikel in meinem Leibblatt am 31.Dezember, an Silvester, lese:

„FRISCH GESTRICHEN!“

Reflexartig werfe ich die Zeitung in den Müllbehälter bei der Busstation.

Wie kann ein Zeitungsmacher solche Drohungen für den Jahreswechsel unter seine Leserschaft bringen? Wer wagt eine solche Prognose?

Muss ich mich nun vom Jahreswechsel fernhalten, mich einfach nicht ins kommende Jahr hineinbegeben? Wie ist das nur zu bewerkstelligen, frage ich mich mit zitternder innerer Stimme, die mein Zwerchfell zum Erschauern bringt. Haben wir nicht im verflossenen Jahr genug Ungeheuerliches erlebt? Doch, erwidert mein kleiner linker Zehennagel, der sich stets vorlaut äussert, es ist bestimmt nicht angebracht, das Vergangene zu überstreichen, endlich einen Schlussstrich über das Geschehene willentlich ziehen zu wollen.

Auch wenn sich zu Beginn die Gefahr einer Farbinvasion abzeichnet, komme ich nicht umhin, dem Kleinen zuzustimmen. Doch wie muss ich mich an Silvester verhalten? Einfach ins Bett legen? Die Decke über den Kopf ziehen? Vor der FRISCH GESTRICHEN Warnung fliehen? Mich am Anker des verflossenen Jahres festhalten? Das Vergängliche der vergehenden Zeit ignorieren? Das Verfliessen anhalten, um keinen Schaden zu nehmen?

Fragen über Fragen. Abtauchen, erst wieder auftauchen, wenn die Farbe des neuen Jahres trocken ist? So lange mich im alten Jahr aufhalten. Festhalten. Dessen Schrecken mich so ängstigen. Mir Albträume bescheren.

Oder vertritt der Zeitungsredaktor die Ansicht, dass alles frisch und mutig gestrichen werden soll, alles, was im vergangenen Jahr geschehen ist, überpinselt werden soll?

Also doch den Mut aufbringen, mit offenen Augen ins nächste Jahr zu schreiten. Auf die Gefahr hin, selbst einen neuen Anstrich zu erhalten. Mich zu wandeln. Die Welt in neuen Farben zu erleben. Hoffnungsvoll auf der Welle des neuen, unberührten, unschuldigen Jahres dahinzugleiten. Hoffnungsvoll statt hoffnungslos. Auf dieser Schaumgeborenen zu surfen. Das meinige beitragen, dass der Jahreswechsel einen Aufbruch darstellt. In ein besseres, gerechteres, sichereres Kalenderjahr, das einen Wendepunkt darstellen wird, an dem wir alle arbeiten werden. Frisch gestrichen! Frische Farben. Farben der Hoffnung, die trocknend hell leuchtend das Vergangene überstrahlen werden.

Helfe Jedefrau, Jedermann im Morgenrot des neuen Jahres durch seinen eigenen tief menschlichen Beitrag mit, dem Erdkreis zukünftige Farbigkeit zu schenken! Zu verleihen! 


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

D I E D A D A

Die da haben 
Erneut gepfuscht 
Husch husch falsch 
In meinen Hals gelangt 
Was im Plan unerhellt erstellt. 

Wäre ICH am Steuer wäre 
Vieles MIR mehr geheuer 
Und dabei so Vieles 
Weniger teuer. 

Selbst packen an 
Mit zahllos Mühen 
Nur ein sinnlos Kampf gegen 
Windig Sancho Panzos Mühlen 
Da lass ich es lieber sein in meinem 
Angenehmen gemütlich ruhig untätig Sein. 




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"Frisch gestrichen" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:







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