Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche
An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.
Im Archiv können Sie dann auch stöbern und "alte" Kurzgeschichten lesen und anhören oder hier kostenlos und werbefrei erhalten >>
Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :
Kopf über Hals
Ein Sprichwort besagt: ‘Hals über Kopf’. Jemand, der Hals über Kopf flieht, der Hals über Kopf etwas in Bewegung setzt. Doch was bedeutet das Gegenteil? Kopf über Hals. Also zuerst den Kopf wirken lassen und dann den Hals. Auch das sollte möglich sein. Ich will es ausprobieren. Ich will die Probe auf das Exempel machen.
Das nächste Mal, wenn ich in mir dieses absolute Gefühl verspüre, die Flucht ergreifen zu müssen. Und tatsächlich: Erst gestern geschah es. Ich hatte das Gefühl, vor der Aufgabe wegrennen zu müssen, die sich mir stellte, die mir in meinem Beruf gestellt wurde, und ich wollte das nicht wahrhaben. Oder besser gesagt, dieser Aufgabe nicht mächtig zu sein glaubte. Mich verschlang der Eindruck, nun endlich weggehen zu müssen, zu kündigen, aufzuhören mit diesem Beruf, ihn nicht mehr zu praktizieren. Das Gefühl wurde immer stärker, bis ich mir überlegte, dass ich mir selbst doch ein hochheiliges Versprechen gegeben hatte. Ein Versprechen, dass ich das nächste Mal, wenn mich dieses Gefühl an den Hörnern packt, mich entführen will, das Gegenteil unternehmen würde. Nicht Hals über Kopf flüchten, nein, Kopf über Hals zu reagieren.
Ja, wie geht denn das? Kopf über Hals. Ohne Halsschmerzen. Zuerst den Kopf einsetzen, Gedanken wälzen, überlegen, wie der Weg aussehen könnte. Spuren legen wie im Neuschnee und dann darauf zurückzublicken. Sehen, was ich da geschaffen habe. Kopf über Hals. Zuerst den Kopf und dann den Hals. Ist ja auch klar, dass das die einzig richtige Reihenfolg darstellt.
Ja, diese Überlegung überkommt mich jetzt, lässt mich anders reagieren. Die Wege, zuerst zu überlegen und dann zu handeln. Nicht zu fliehen, sondern die Herausforderung anzunehmen. Die Herausforderung, die sich mir stellt, auch im Beruf. Und so wende ich dies nun Kopf über Hals an.
Doch was ist denn diese Aufgabe, die mir gestellt wurde? In der Zwischenzeit habe ich den Faden verloren, weiss gar nicht mehr, was ich tun soll. Jedenfalls nicht Hals über Kopf fliehen, sondern Kopf über Hals überlegen. Doch wenn die Aufgabe nicht mehr präsent ist, wie soll ich da vorgehen? Wenn ich keinesfalls mehr weiss, wie es weitergehen soll, welche Aufgabe ich zu lösen habe? Um was es sich handelt? Da wäre es doch besser, Hals über Kopf geflohen zu sein, statt jetzt Kopf über Hals darüber zu sinnieren, was die eigentliche Aufgabe wäre, die sich nicht einzig im Beruf, nein, in meinem gesamten Leben stellt, stellen kann, stellen wird, sich jedem stellt, jedem stellen wird?
Ja, was ist die Aufgabe? Den Faden wieder zu knüpfen, um zu wissen, was sich als Aufgabe stellt. Wird es gelingen? Ja. Wenn keine Flucht Hals über Kopf geschieht, sondern Kopf über Hals die Fäden neu geknüpft werden, erneut geknüpft werden können, die Zeit sich genommen wird, den Faden zu knüpfen, auf dass die Aufgabe, die sich einem stellt im Leben, klar und durch-, sowie einsichtig werden kann.
Bisher war ich stets ein perfekter Knüpfer. Ein knüpfender Held. Bewundert von allen, die nicht weiterwussten. Doch was soll ich unternehmen, wenn ich keinen Faden mehr erblicke? Wie einen unsichtbaren Faden, einen Faden, der sich die Tarnkappe übergezogen hat, zu knüpfen? Weshalb Unsichtbares verbinden wollen, wenn die Zukunft je länger je mehr sich im Unsichtbaren entwickelt, mich ab-, ein- oder umsichtig im Nebel stehen lassen will?
Ich muss endlich einsehen: Die Weisheit liegt einzig darin, dass die Unwägbarkeit das einzig WAHRE IST UND IMMER WAR.
KOPF ÜBER HALS ... UND NICHT HALS ÜBER KOPF!
Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:
U N W Ä G B A R
Unwägbares
Sich als Wagnis
Zeigt weit und breit
Bereit zu zeigen dies
Anzunehmen ganz leicht.
Denn ändern lässt sich
Das bei bestem
Willen
nie.
Deshalb
Guten Mutes
Damit leben ohne
Jedes innere Beben.
Geschrieben von François Loeb, Schweizer Schriftsteller. Weitere Geschichten finden Sie auf der Archivseite >> und hier sind alle Dreisatzromane >> aufgeführt.
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