kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Die Schlamm-Assel

„Das ist eine echte Schlamm-Assel! Mit der solltest du dich nicht anlegen, oder gar einlassen! Finger davon! Das ist der einzige Rat den ich Dir geben kann. Echt!“ Ein großer Seufzer begleitet die Worte meiner Tischnachbarin im Café das ich täglich für meinen kleinen Schwarzen aufsuche. Ein Ritual das ich seit Beginn meiner Arbeitslosigkeit vor dreieinhalb Jahren stur einhalte. Denn man kann ja nie wissen ob auf dem Serviertablett das große Glück unvermittelt einem anspringen, ja, devorieren kann. Devorieren, ein Ausdruck den ich im Nachbarland auf meinen langen einsamen Wanderungen aufgeschnappt habe und das ich benutze um nicht mit Worten um mich zu schlagen die den Anständigkeitsgrad fünf nicht erreichen. Diese Skala habe ich mir erdacht, will sie seit einiger Zeit patentieren lassen, doch so lange kein Geld für den Patentanwalt vschlamm-asselrhanden ist bleibt der Wunsch eine Schimäre.

Ja, die Skala: Eine App die direkt mit der Zunge verbunden ist. Deren Zaumzeug darstellt. Einstellbar die App. Je nach Situation, nach Gesprächspartner. Männer- oder Damenrunde. Ganz einfach. Stärkegrad von eins bis zwölf einstellen. Einschalten. Mit Speichel verbinden. Bereits beim Formen eines Wort-Gedankens schreitet die Automatik ein. Lähmt die Zunge falls der Anständigkeitsgrad nicht dem entspricht was von der Umgebung gefordert wird. Also, meine Kaffeenachbarin bedürfte meines Geräts dringend. Wie kann Sie die mir sprichwörtlich ins Auge gefallene Schwarzhaarige am Ecktisch die mich unbändig anblickt, mir nonverbale Nachrichten zusendet die mir heiß den Rücken abflocken, als Schlamm-Assel bezeichnen. Asseln sind doch unangenehme Kleinstlebewesen die zudem, als ich in Wikipedia nachsehe, rücklings, also feige, braun, meiner persönlichen No-go-Farbe, gefärbt sind. Eine solche Gemeinheit hätte ich der Tischnachbarin nicht zugetraut. Doch möglicherweise ist sie voller Eifer-Sucht, die sie zwar mit ihrem eleganten Gehabe zu vertuschen sucht, die den Ungeist ihren Körper gekapert hat, diesen steuert.

Und jetzt kommt die ‚Schlamm-Assel‘ an meinen Tisch. Die Tischnachbarin flieht, als sei ein leibhaftiges Gespenst im Anmarsch, stößt meinen Kaffee und das begleitende Wasserglas um, das über meine Hosen läuft, einen katastrophalen Eindruck von mir vermitteln wird. „Was für ein Schlamassel“, sagt mit heller klarer Stimme die Schlamm-Assel mit der, da bin ich überzeugt, ich die nächsten vierundfünfzigeinhalb Jahre verbringen werde. Der Liebesblitz hat eingeschlagen! Was für ein Massel ich nur habe. Eins das mein Leben verwandeln wird. Der Wort-Gedanke ‚VERDAMMTES GLÜCK‘ gefriert derweil auf meiner Zunge, einzig das Wort GLÜCK entweicht zischend meinem Mund. „Zum T…..“, Stufe zwölf ist eingestellt! Habe ich ganz vergessen. Wollte guten Eindruck bei der Schlamm-Assel schinden.




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