Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche
An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.
Im Archiv können Sie dann auch stöbern und "alte" Kurzgeschichten lesen und anhören oder hier kostenlos und werbefrei erhalten >>
Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :
Schmutzige Wäsche
„SUCHE PERSON (w,m,d,), DIE MEINE SCHMUTZIGE WÄSCHE WÄSCHT. ZUSCHRIFTEN UNTER CHIFFRE Z 12/3517.“
Diese Meldung lese ich unter NACHBARSCHAFTSHILFE in unserem viel beachteten Lokalanzeiger.
Hey, denke ich, seit 6 Monaten unverschuldet arbeitslos, eine Gelegenheit, meiner schmalen Kasse, die zu Schmalhans‘ Küchenmeister führt, eins auszuwischen. Der Anzeigenaufgeber, hoffentlich kein Angeber, wird wohl für seine schmutzige, vermutlich gar verdreckte Wäsche den Schongang der Waschmaschine einstellen und ganz ohne Gemurre bei einem Bierchen auf deren Arbeitsabschluss warten, eine angemessene Entschädigung auf meinen abgenutzten Küchentisch legen. Also schreibe ich mit meiner kunstvollen Schrift, die ich verwende, um bei Bewerbungen einen guten Eindruck zu hinterlassen — darin bin ich Meister —, eine Kurzanfrage — oder ist dies eine Antwort, was schwer zu entscheiden ist —, in der ich meine Dienste anbiete. Mich gar auf den wenig tragbaren Ast begebe, mich als SAUBERFRAU anbiete. Anbiedere. Frage mich gleich, was der Gegenausdruck abbiedern wohl beinhalten könne. Ja, so ist es. Ich hinterfrage jedes Wort, was wohl zu meinen Schwierigkeiten bei der Jobsuche führt. Denn welcher Chef wünscht schon hinterfragt zu werden. Wäre der Weg des Vorderfragens der bessere? Strategieumstellung in Zukunft? In Aufkunft? Doch der Brief muss zur Post gebracht werden. Der Kasten wird um 17 h geleert. Pünktlich und nicht Kommatlich. Und das ist bereits in zehn Minuten. In Schuhe schlüpfen. Aufleben! Besser als Ableben! Ach nein, die Hausschuhe tun es auch. Die Strassen sind trocken. Kein Gewitter im Anzug. Auch nicht im Abzug. Jogge also los. Lasse meine Lunge keuchen. Das Blut wallt. Wallfahrt zum Briefkasten. Einmal mehr, denke ich. Denke daran, dass ich auch bei schmutziger Wäsche Geduld und nicht Entduld haben muss, bis Antwort eintrifft.
Diese erreicht meinen Briefkasten nach drei Tagen. Mit einem Treffensvorschlag bereits am heutigen, glücklicherweise nicht am gestrigen Tag. Nehme vorsorglich einen grossen Wäschekorb zum Wäschedate mit. Hoffe, dass die schmutzige Wäsche keine unangenehmen Düfte im Café verteilen wird. Werde mich sputen, möglichst rasch damit nach Hause zu verschwinden. Kaffeeallergie vortäuschen. Teeunbekömmlichkeit.
Mineralwasserverstimmung. Trete in die gastliche Stätte, die ich hoffentlich bald ungastlich mit meiner schmutzigen Beute verlassen kann. Sehe einen stattlichen Mann einsam an einem Tischchen sitzen, die Gegend mit Rundumblick prüfend. Vor ihm, neben der Kaffeetasse, liegt ein Hunderter. Wohl für mich bestimmt. Kein Knauserer, atme ich innerlich befreit auf. Er bittet mich Platz zu nehmen. Meine Pupillen suchen das Schmutzwäsche-Behältnis. Werden nicht fündig. Anständiger Kerl, denke ich, will das Lokal nicht verduften. Hat es bestimmt in seinem fahrenden Untersatz. Setze mich. Und gleich beginnt er, ohne jeden Gruss:
„Ich bin dir dankbar. Dankbar, dass du meine schmutzige Wäsche waschen willst. Ich beginne gleich. Lege diese vor dir aus. So viel dreckige Wäsche hat sich aufgehäuft. Meine Freundin, meine Freunde, meine Bekannten und Verwandten, alle werfen mir vor, dreckige Wäsche über sie zu verbreiten. Ich kann mit alledem nicht mehr leben. Habe beschlossen, meine schmutzige Wäsche auszubreiten. Danke, dass du mir zuhören willst. Dein Lohn liegt bereits auf dem Tisch. Mein Dreitagebart wird sich während meiner Worte, Sätze zu einem Monatebart entwickeln, sei mir deswegen nicht böse. Darf ich beginnen? …“
Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:
S C H M U T Z
Schmutz
Verbreiten
Zu meinem
Eigen Schutz.
Befreiend für
Mein Gemüt
Unhülle die
Zunge
Mein.
Klein
Ultraklein
Alles was mich
Umgibt beredet dann
Dabei ich wachse Ultragross.
Geschrieben von François Loeb, Schweizer Schriftsteller. Weitere Geschichten finden Sie auf der Archivseite >> und hier sind alle Dreisatzromane >> aufgeführt.
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Freue mich darüber sehr!