kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.

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Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :

Der Spalt

Was ich überall in den Social-Medias heute lese, verstehe ich nicht. Ein unverständlicher Satz. Doch so oft wiederholt, bildet dieser bald ein Tagesmysterium, dem ich berufshalber als Journalist nachzugehen habe. Nachzugehen als Zeilengeldschinder, der auf möglichst fette Buchstabenbeute auszugehen hat, um zu überleben. Das tägliche, nein nicht Brot, sondern das alltägliche Bier zu verdienen. Nicht dass Sie auf falsche Gedanken kommen, natürlich und selbstverständlich alkoholfreies 0,0 %, Getränk. Denn es gibt auch solches in Fake-Ausgabe, dem ich bereits seit dem Beginn des neuen Jahres abgeschworen habe.
Also der Satz, welcher die Sozialen-Medien und nicht etwa die Sozialstationen flutet, deren Kunde ich vergangenes Jahr öfters war, seit heute früh um 00.01 h  lautet: "DER NEUE ALKOHOL IST DER SPALT!" Abgewandelt wohl von der modernen Gesundheits-App:

"DAS SITZEN IST DAS NEUE RAUCHEN".

Was für ein Spalt?
Wenn ich das wüsste, würde sich mein guter Vorsatz, dem ich immerhin bereits beinahe zwölf vierundzwanzigstündige Zeitabschnitte standgehalten habe, leichter ertragen lassen.

Spalt? Handelt es sich um ein Medikament? So hiess einst ein Allheilmittel. Die Spalt-Tablette. Die fügte im Umkehrschluss alkoholisch gespaltene Schädel wieder zusammen. Eine Wohltat, wie ich durch eigene Erfahrung mehrfach bezeugen kann. Doch diese zusammensetzende Droge gehört in Grossmutters Nähkästchen, wo sie auch hingehört. Muss anderes hinter dem Flutsatz dahinterstecken.

Bin aus sozialem Gewissen verpflichtet, hinter das Geheimnis zu kommen. Eile also in die Dorfapotheke. Verlange das Medikament, welches den Alkohol ersetzt. Dieses ist jedoch noch nicht dort angekommen. Die Dorfidyllen reagieren nicht so rasch schlussfolgere ich flink. Schwinge mich auf das Fahrrad, eile in die Stadt. Betrete die Hauptapotheke am Münsterplatz. Da herrscht Gewusel und Gedränge. Alles verlangt nach dem Spalt, der minütlich im Preis, er ist ohne Rezept erhältlich, also der freien Preisbindung unterworfen, rasant in Matterhornsteigungsmanier neue Gipfel erklimmt.

Bin in der Warteschlange Nummer 227. Aussichtslos. Will aufgeben. Da aber parkt ein 40 Tönner vor dem Heil bringenden Laden. Paletten werden ausgeladen. Alle beschriftet mit SPALT. Die Menge stürzt sich darauf, als sei sie der Spaltsucht unterworfen. Reisst ein Pallet auf. Im Gemenge erwische ich eine Schachtel. Mit gutem Gewissen, denn ich arbeite für die Aufklärung.

Eile mit den Tabletten von dannen. Muss mich beeilen, um der Erste zu sein, der darüber berichten kann.

Der Stadtbrunnen plätschert. Er bietet mir die Möglichkeit die Spalt-Packung in einem Aufwasch einzunehmen.

Stürze augenblicklich, es ist kaum zu glauben in einen riesigen sozialen Spalt.

Finde mich dadurch augenblicklich in der Realität, der gespaltenen Gegenwart wieder ....


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

S P A L T P I L Z

Pilze schiessen
Nach dem Regen
Aus dem Waldesboden
Noch bevor dieser anheimfällt
Der Unkrautwüste durch das Roden.

Sanft erinnern sich
Im Traum die Sporen
Wo nur wurden wir geboren.

Träumen vom Waldesboden
In dem ungespalten
Pilzesporen nie
Verdorren.




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