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Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

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Der Turm zu Babbel

Güggerügüü, so begrüsste mich meine Geliebte, mit der ich bereits Jahre zusammen lebe eines frühen Morgens. Ganz überraschend. Einfach so. Aus heiterem Himmel. Einzig der Sonnenaufgang stimmte dabei. Und der Dialekt. Unvergleichbar. Kein Kikeriki, das mich noch mehr aus der Bahn geworfen hätte. Doch auch der erhörte Morgengruss versetzte mich in ein Zweifelsall. Denn nicht wahr, ein Gegacker hätte mich weniger erstaunt. Typisch Männerschicksal war mein erster Gedanke. Ist nun die Emanzipation bereits so weit geschritten, dass der männliche Ruf nicht mehr exklusiv unserem Geschlecht vorbehalten bleibt? Doch männlicher Machtwahn hat im Lauf der Menschheitsgeschichte den Frauen genug Unrecht angetan. Recht hat die Weiblichkeit deshalb. Muss mich wohl oder übel, wohl mehr über eigenen Schatten springend daran gewöhnen. Solange man mir nicht abverlangt hohle Wort-Eier zu legen wird alles im grünen, zumindest im gelben Bereich bleiben.

Stutzig wurde ich erst, als meine geliebte Lebenspartnerin nur noch in der Geflügel-Sprache mit mir kommunizierte, was zu zahllosen Missverständnissen unter uns führte. Nicht dass es etwa zuvor keine solche gegeben hat. Doch sie häuften sich von diesem frühen Morgen an in ungeahntem Mass. Vollkommen aus dem Häuschen kam ich dann zehn Tage später, als mich eine wunderschöne, ranke und schlanke Hündin mit glänzendem Fell in meinem Idiom ansprach. Mich darum bat meine Liebste ein wenig jagen zu dürfen. Er, der Hund, sei eine Hündin, ich solle keineswegs eifersüchtige Gedanken spinnen. Sie hätte keine bösen Absichten. Liebe nur das Kikeriki einer gejagten Hähnin. Selbstverständlich verbat ich mir solches Tun, ohne darauf zu achten, dass ich der darum Bittenden mit Gebell antwortete. Auf jeden Fall und das vernahm ich sofort aus der eigenen Stimme, in perfekter hündischer Mundart meiner Gegend. Als ich daraufhin meiner Lebensgefährtin vom Vorfall berichtete, floh sie im Dauerlauf vor mir. Einholen war unmöglich, obwohl ich sportlich besser trainiert und nicht wohltemperiert war wie sie. Ich benötigte einige Zeit, bis meine Hirnsynapsen mir den Hinweis auf meine neue Kommunikationssprache, dem Bellen, gaben. Klar, dass eine Spezies, die sich in Geflügel-Sprache ausdrückt, sich vor der aggressiven Ausdrucksweise eines Hundes fürchten muss.

Was ist nur geschehen? Mit der Welt geschehen. Weder Wikipedia noch Facebook, Twitter oder Instagram konnten meine Frage beantworten. Telegram, das scheint auch eine Novität zu sein, schüttelte nur verneinend den Kopf und führte den Zeigefinger an die Schläfe. So muss ich selbst eine Antwort für diese katastrophale Weltlage finden. Sind wir alle durch einen Rückwärts-Quantensprung in biblische Zeiten gefallen? Hat der neueste Quantencomputer (unterstützt durch Chat GDP) an dem die Wissenschaft bereits Jahrzehnte arbeitet, den Turm zu Babbel (die Quinte muss das b verdoppelt haben) erbaut und wir können nur hoffen, dass dieser nicht in sich zusammenfällt.

Da taucht auf den sozialen Medien ein Bild des Gemäldes des Turmbau zu Babel von Pieter Brueghel des Älteren aus dem Kunstmuseum Wien auf. Das soeben die Decke dieser Kulturinstitution durchstossen haben soll. Aufwärts Richtung Mond strebt. Dabei einige Raumstationen aus dem Orbit wirft. Die Welt, unser Globus scheint aus den Fugen zu geraten. Die Technik erfindet in Selbstentwicklung dem sogenanntem Deep Learning weitere Millionen soziale Netzwerke, die niemand mehr, da keine gemeinsame Basis besteht, benutzen kann.

Und ich kann das Kikeriki meiner Liebsten nicht mehr aushalten, da der Sinn von dem, was sie mir mitteilen will, nicht mehr erfassbar ist. Und sie mein Gebell nur entsetzt und aus ihrer Bahn zu werfen droht.

So einigen wir uns auf die Sprachlosigkeit und retten uns in die tönerne Sprache. Die Musik, die uns global umgreifend als friedliche, Herz und Seele berührende, verbindende Kommunikation ab jetzt erfüllt. Alle neuen unverständlichen medialen Irrläufer zum Verschwinden bringt…


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

G E B R A B B E L

Es schweifen
Leere Wörter
Eintrittsfordernd
Klopfend an unser Ohr.

Und wir gewähren
Hörend Raum.

Als seien wir ein
Überlaute Laute
reproduzierend
Hohler Baum.




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