Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche
An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.
Im Archiv können Sie dann auch stöbern und "alte" Kurzgeschichten lesen und anhören oder hier kostenlos und werbefrei erhalten >>
Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :
Überuber
Die Werbung nervt. Überall, in allen Medien, auf allen Litfasssäulen, im Radio und Fernsehen, auf allen Kanälen seit über 132 Tagen:
NEU ÜBER UBER!
Nich verpassen. Anmelden. Einschreiben. Jetzt noch kostenlos!
Dieser Werbung kann niemand entkommen. Kein Wunder, dass sich vor dem Wolkenkratzer, der zum Einschreiben genannt ist, hektometerlange Menschenschlangen bilden. Wissen die sich meldenden Menschenmassen, worauf sie sich einlassen? ÜBERUBER! Mich verunsichert das fehlende t beim Wörtchen nicht. Es fehlt überall. Oder besser gesagt unterall. Oh, mein Körper, meine Füsse, meine Beine versuchen sich von mir unabhängig zu erklären. Hin zum Wolkenkratzer, mich in die langsam vorrückende Menschenschlange einzuordnen. Ich, als freiheitsliebender Medienschaffender, dessen Lebensaufgabe bis dato darin bestand, die Freiheit unserer Spezies zu verteidigen, bin kaum mehr meiner Sinne mächtig. Was steckt hinter den Worten ÜBER UBER? Eine Fortentwicklung des Fahrdienstes UBER? Mit künstlicher Intelligenz erweitert? Vollautomatischer Fahrdienst ohne jede menschliche Kraft, einzig gedankengesteuert? So werweise ich beim Vorrücken, im Ungift versprühenden Humanwurm. Und ich nur noch ein Wurmfortsatz, auf den das Ungetüm verzichten kann. Und muss ich nicht dankbar dafür sein, dass dieser ÜBERUBER so viel bezahlte Werbefläche auch unseres Mediums in Anspruch nimmt, von dem ich als kleines Teilchen ebenfalls zehren kann? Mir ein Leben in Freiheit, in Meinungsfreiheit ermöglicht? Ausbruch eindeutig nicht möglich. Nicht in Aussicht. Auch keineswegs in Absicht meines Seins, denn ich fühle mich seit einigen Minuten hier geborgen. Glücklich. Erreiche die Meldestelle. Habe ein Formular auszufüllen. Mein Einverständnis mit meiner eigenhändigen Unterschrift zu bezeugen, um endlich ewiges Leben zu erlangen, nie mehr das Ableben, den Tod fürchten zu müssen. Begleitet von Jubel-Gesängen der bereits unterschriftbezeugten Schicksalsgenossen und Genossinnen, drängt mich die Menge in eine hell erleuchtete Röhre. Brummen ertönt. Ein Stahlhut senkt sich auf mein Haupt. Leises Knirschen. Dann ein heftiges Rattern. Anschliessend Donnerschläge. Schliesslich erscheinen folgende Worte vor meinen glasklaren spiegelglatten Augensternen:
'ES IST VOLLBRACHT!'
Dein Hirninhalt wurde auf die Festplatte 118896655 übertragen. Jetzt mittels des Überubers in die Kapsel gelegt. In den Weltraum katapultiert, wie auch die zahllosen vor und nach mir Eingeschriebenen.
Ah, endlich erkenne ich, weshalb im Universum so unwahrscheinlich viele Sterne ihre ewigen Bahnen ziehen. Und ich endlich, samt allen meinen Gedanken, ein unsterblicher Teil dieses Naturschauspiels am Himmelsfirmament geworden bin. Ewig leuchten werde, meine vorbestimmten Bahnen ziehen werde.
"DANKE, DANKE, ÜBERUBER"
Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:
O B E R
Über
Dem Ober
Leuchten keine
Kleinen Häuschen.
Vielmehr unterjubelnd
Drehen dort Sterne
Ihre Bahnen ohne
Jede halbe Willig
Billig Hilfe.
Sterne über
All den in weiss
Bekittelt Giga-Volts
Deren heisser sättlich
Hunger führt den Mensch
Hin zum ewig lungernd Bummeln.
Geschrieben von François Loeb, Schweizer Schriftsteller. Weitere Geschichten finden Sie auf der Archivseite >> und hier sind alle Dreisatzromane >> aufgeführt.
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Freue mich darüber sehr!