kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

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Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :

DAS UNILKEINUM

Universum, Universum UNIVERSUM, was für eine Fehlleistung der wissenschaftlichen Wortwahl. Seit Jahrhunderten bereits. So falsch wie die Lehre in grauer Zeit, die Erde sei eine Scheibe. Ans Ende angekommen, falle der Abenteurer ganz einfach über den Rand ins Nichts. Und heute, der Zeit, in der wir uns der fortschrittlichsten Wissenschaft rühmen, der die Menschheit je fähig war, quasseln die Lehrstühle vom Universum. Dem Unvorstellbaren. Allumfassenden. Vom All, das nie endet. Das Universum dabei bildet.“
Ein Huster unterbricht des Professors Redeschwall. Die Studenten lauschen ihm, dem Berühmten, dem Nobelpreisanwärter andächtig zu. Nicht einmal eine zu Boden fallende Stecknadel würde auffallen, selbst das einstürzende All könnte die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft nicht unterbrechen. Denn schliesslich ginge es dabei genau um dieses unumstrittene Universum. Nicht um ein Duoversum, oder gar eines Multiversums.
Einzig ein junger Student des ersten Semesters, dem ein IQ höchster Güte nachgewiesen worden ist und der erst 12 Lebensjahre zählt, scharrt mit seinen Füssen. Unhörbar zwar, weil dieses nur in seiner Gedankenwelt erfolgt. Seit seinem fünften Lebensjahr hängt er einer eigenen Theorie nach. Sucht nach Möglichkeiten, diese zu beweisen. Er ist durch Eingebung, ob göttliche oder aus weiterer Quelle stammend, der festen Überzeugung, dass er und alle anderen Lebewesen, in welcher Gestalt auch immer, dem Unikleinum angehören. Dieses bestehe aus reiner Logik. So sei jeder Körper, ob mikroskopisch klein oder nur durch Verkleinerung erfassbar, gleich aufgebaut. Ein Atom gleiche dabei in seinen Bewegungen den Gesetzen, die im Weltraum Gültigkeit haben. Ein lebender Körper, der Student nimmt dabei seinen eigenen menschlichen Leib als Beispiel, sei ein vollwertiges Universum. Bestehe aus Milliarden von Zellen, Bazillen, Partikeln und was dergleichen alles in seinem Inneren sich tummle. Bildeten dann einen Menschen. Ein Geschöpf, das atme, sich ausdehne, zusammen zöge. Von deren Einzelteilen keine auf das Gesamte schliessen könne. Nichts von der nächsthöheren Ordnungseinheit wisse. Und nun, so die geistige Arbeit des jungen Forschers, könne der Mensch nicht auf das ihm übergeordnete Wesen schliessen. Und dies sei ebenfalls ein lebendes, atmendes Wesen, in dessen Sinne seine Einzelteile, also der einzelne Mensch oder Tier seine bestimmte Funktion zum Funktionieren und Überleben dieses übergeordneten Wesens beiträgt. Wobei krankhafte Entwicklungen in jenem Lebewesen, das der Student als Unikleinum bezeichnet vorkommen könnten, die katastrophale Folgen in den untergeordneten Spezies auszulösen in der Lage seien, was viele unerklärliche Phänomene der Menschheit erklären würden.
Der Student ist jetzt an einem Punkt angekommen, an dem er es wagen könnte, so seine Überlegung, mit einem schlagenden Beweis auch dem lektorierenden Professor entgegenzutreten. Seine Beweiskette ist die bisher nicht erklärbare Theorie des sich ausdehnenden Universums, beziehungsweise des Weltalls. Dieses sei absolut zu erklären. Denn auch das Lebewesen Unikleinum atme. Da ein Einatmen, das zu einer Ausdehnung führe, über Jahrbillionen Jahre vor sich gehe, um dann mit einer Ausatmung in ebenso langer Zeitdauer abgelöst werde, aber vom Menschen, da er zu diesem Zeitpunkt bestimmt nicht mehr existieren würde, nie beobachtet werden könne. So nahm sich der Student vor, den Professor gleich nach der Vorlesung mit seinen Überlegungen zu konfrontieren.

Gedacht, getan! Doch im Inneren des genialen Studenten begab sich eine Darmbakterie, vom Genius angesteckt, auf den Weg, dem Denker mit einer Darminfektion einen Strich durch die beabsichtige Rechnung zu bewirken. Worauf alle Theorien wie bisher weiterverfolgt werden, die Revolution des Denkens, der wissenschaftlichen Neuerkenntnisse unterbleiben, das Unikleinum in der Versenkung des Nirwanas versickert …




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"Das Unikleinum" als Tondokument, vorgelesen von François Loeb:







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