kostenlose Kurzgeschichte der Woche

Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche

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Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :

Wildfang

Im Supermarkt an der Kasse vernehme ich beim Einkauf stets spannende Geschichten. Benötige keinen Bücherkauf. Keine Regenbogen-Zeitungen. Es genügt, einfach die Ohren zu spitzen. Zuzuhören. Besonders erfolgreiche Tage sind diejenigen um das Wochenende. Da sind die Einkaufswagen wohl gefüllt. Quellen gar über. Längere Warteschlangen vor den Kassen sind die Folge. Das lockert Zungen. Der neueste Klatsch wird ausgetauscht. Über Politiker gelästert. Das jüngste Fernsehprogramm besprochen. Alles, was nicht zu verpassen sei, wie Bälle sich gegenseitig zugeworfen.

Auf den heutigen Freitag habe ich mich bereits die ganze Woche gefreut. Ein langes Wochenende steht bevor. Am Montag werden die Türen des Marktes verriegelt sein, so müssen Vorräte ergänzt werden. Mit langen Einkaufszetteln betreten die Menschen das hell erleuchtete Portal der Einkaufsstätte. Ich blicke mich um. An Kasse 3 hat sich bereits eine einkaufsbefriedigte Menge gebildet. Ich schnappe mir eine Kaugummipackung und eile dorthin. Sogleich bieten mir liebenswürdige Menschen ihren Platz in der Schlange an, ich solle doch vorrücken. Bedanke mich, erwidere, ich hätte Zeit. Sei ein Rentner ohne Zusatzaufgaben. Konzentriere mich auf meine Ohren. Bereite diese auf den wochenendlichen Lauschangriff vor.

Die Härchen in meinem Gehörgang sträuben sich dabei wie elektrisiert, als ich zwei gesetzteren Damen mit ondulierten, grau erhellten Haarschöpfen zuhöre. Ganz unverdächtig und in plätschernd zusammengesetzten Buchstabenfällen weist die festere der beiden darauf hin, dass die Welt einem Wimmelbuch ihrer Enkelkinder sehr ähnlich sehe. So viel Neues, Unbekanntes schwebe einem täglich entgegen. Beinahe, als befände man sich auf einem fremden Planeten. In einem unbekannten Universum. Und ob sie auch festgestellt habe, dass seit heute früh das Wasser des Dorfbachs aufwärts fliesse. Dabei Wellen schlagend, als wolle es den Tanztropfen schwingen lassen.

Sie finde dies zum sich wundern, doch kein elektronisches Medium habe bisher darauf hingewiesen. Darüber berichtet. Ob es sich möglicherweise um eine optische Täuschung ihres Augenlichts handeln könne. Schliesslich werde auch sie älter und die Degeneration der Hornhaut sei durchaus denkbar.

Darauf erwidert die in der Schlange vorrückende Gesprächspartnerin, es trage reife Früchte, sich nicht in Sorgen um den eigenen Gesundheitszustand zu erstrudeln, denn sie habe auf dem Weg hierher genau dieselbe Beobachtung erkennen müssen. Doch heutzutage lohne es sich nicht, in grosse Sorgen ob solch kleiner Vorfälle zu geraten. Die Welt falle aus den Fugen. Und da sei eine so minimale Veränderung des Aufwärtsfliessens nicht der Rede wert. Es gebe wahrlich besorgniserregendere Dinge zu beachten. Als Beispiel weise sie nur auf das Altern hin, das viel schneller erfolge als noch vor wenigen Jahren.

Dabei greift die behäbige Dame in ihren Haarschopf, der jetzt unonduliert ihr markantes Haupt ziert. Jetzt in hellstem Blond  über ihre Schultern fällt. Da schreckt mich ein lautes Gackern auf, zudem ein lauter Hahnenschrei und aus der Metzgertheke hüpfen zahlreiche Küken der Kasse zu, tragen in ihren Einkaufskörben in Kunststoff verpackte Menschlein, die stumm, gespannt und neugierig auf ihr weiteres Schicksal  warten, während sich das piepsende Federvieh sichtlich auf das kommende Festmahl zu freuen scheint.

Tatsächlich scheint die Welt aus den Fugen zu geraten, denn jetzt fallen die Härchen in meinen Ohrmuscheln aus, bewegen sich schnurstracks auf meine Glatze zu …

Trotzdem höre ich zwei Küken in der Kassen-Warteschlange zueinander bemerken: „Die Menschlein werden wir einpflanzen. Sind alsdann erneut mit der Erde verbunden. Nicht mehr entwurzelt wie jetzt. Wachsen zu alter Grösse und werden uns angenehmen Schatten spenden.“


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

G E C K E R S C H R E I

Gack
Geckert er
Die Welt geht
Gar nicht entzwei
Nein sie spielt entdrei.

Ping Pong und Päng
Heute wie gestern
Als spiele sie in
Einem geilen
Western.

Die coolen Helden
unter x Himmelszelten
Dauerwellen die arme Welt.




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