Meine kostenlose Kurzgeschichte der Woche
An dieser Stelle präsentiere ich Ihnen im wöchentlichen Wechsel die (kostenlose) Kurzgeschichte der Woche, auch als Pdf-Download.
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Hier die aktuelle Kurzgeschichte der Woche (auch als Download Pdf >>) :
Die Zerbrochene Eierschale
Kaum zu glauben. Einfach erstaunlich, was alles an einem Feiertag und danach geschehen kann.
Ein stolzes Ei spazierte in den grünen Wiesen, freute sich des Lebens. Doch kaum unterwegs, wurde es in ein grünes Nest gelegt. Fühlte sich da nicht schlecht, sogar recht wohl. Kuschelte sich in das Moos. Freute sich seines Innenlebens, das sich, gut geschützt durch seine Eierschale, entwickeln konnte. Gelb und weiß und im Mittelpunkt ein kleines schwarzes Pünktchen, das langsam, aber stetig kommendes Leben versprach.
Da kam ein großer Feiertag, dem zahllose Menschen huldigen und Bräuche entsprechend festlich feiern. Ein grosses Eiertütschen zum Beispiel, ein Eierklopfen. An die Pforte des kommenden Lebens klopfen. Aber es kam keine Antwort. Ganz im Gegenteil. Da wurde noch mehr und heftiger geklopft, bis die Eierschale zerbrach, sich tausend kleine Spalten öffneten, hin zum Licht.
Das Ei, das plötzlich in seiner Entwicklung gestört wurde, wollte sich auf den Weg machen, sich in sein Inneres zurückziehen. Doch das gelang keineswegs. Licht drang in sein Seelenleben. Sonnenlicht. Und durch einen Spalt sah das Innere des Eis Hunderte von anderen Eiern, die in allen Farben schillerten, sich ausdrückten, und es versuchte zu sehen, in welchen Farben es selbst leuchtete. Doch es war weiss. Weiss, schneeweiss, obwohl sich der Winter bereits in die Vergangenheit verabschiedet hatte. Keine Farbe schmückte das Ei.
Und so kam das Ei auf etwas, was es massiv störte. Die Eifer-sucht. Eine Sucht, die es umtrieb, stark umtrieb, immer weitertrieb, bis zu dem Punkt, dass es in seinem Innern einen Drang verspürte, andere Eier zu zerstören, deren Schale zu zerbrechen, auch wenn diese in allen Farben schillerten. In Rot, in Blau, in Grün, gescheckt, in allen Farben glitzernd.
Da machte sich das Ei auf und sagte sich: „Weiss ist die Farbe, die unzerstörbar ist. Ich werde gewinnen. Ich werde die Ei-fer-Sucht überwinden und schlussendlich als Einziges im Gegensatz zu allen Farbigen übrigbleiben. Das schwöre ich mir.“
Und der Wettkampf begann. Der Wettkampf, den die Ei-fer-Sucht auslöste. Ein farbiges Ei nach dem anderen zerbrach beim Aufeinanderklopfen. Das weisse Ei aber überlebte, da von niemandem begehrt, mit intakter Eierschale. Es war das Stärkste, bekam dann ein Krönchen aufgesetzt als das stärkste Ei, das überleben durfte, in die Zukunft hinein leben durfte.
Doch eins hat es nicht bedacht, nämlich dass auch Eier sich ins Gegenteil verkehren können. Nach Sonneneinstrahlung begann das Ei übel zu riechen, verpestete seine Umgebungsluft. Und als es dann von einem Kind aufgeklopft wurde, verströmte es einen so üblen Geruch, dass dieses männliche Kind nur eins ausrufen konnte: "Bäh, sowas will ich nicht essen." Es nahm das Ei in die Hand warf es geschickt in hohem Bogen weg von sich in eine unbekannte Zukunft.
So endete die Ei-fer Sucht. Nichts konnte mehr helfen, es zu retten. Das Einzige, was übrigblieb, war ein großes T, wie es auch auf Kirchhöfen zu sehen ist. So endete das Ei mit seiner Geschichte der Ei-fer-Sucht. Ein Versuch, der trotz allen Eifers das Ei einzig in die ihm verschlossene Zu-Kunft führte.
Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:
S T O L Z
Die Nase
Hocherhoben
Dem Himmel zu
Geht der Stolz auf.
In seiner sich der Welt zeigenden
Wolz denn Walz ihm wäre
Viel zu demokratisch.
So er stolziert
Hoch erhobenen Kinns
Als sei er der einzig King
In sein Verderben das niemals
Samt aller Getreuen er überleben werde.
Geschrieben von François Loeb, Schweizer Schriftsteller. Weitere Geschichten finden Sie auf der Archivseite >> und hier sind alle Dreisatzromane >> aufgeführt.
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